SCHLUSS.
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Die Behauptung geht doch von der Voraussetzung aus, dasses den Kleinbauern unmöglich sei, in der Fabrik zu arbeiten,oder wenn wir die Sache umdrehen, dass die Fabrikarbeiternicht noch nebenher bäuerliche Zwergwirtschaft treibenkönnten. Dies ist aber nur teilweise richtig, ln einemLand wie Deutschland , wo die Mehrzahl der Fabriken ingrossen Städten konzentriert ist, beweist uns die amtlicheStatistik, dass von den Hausindustriellen kaum mehr neben-her landwirtschaftlich thätig sind als von den Fabrik-arbeitern . 1 ln der Schweiz aber ist die Fabrikindustrieweit mehr dezentralisiert, die in ihr beschäftigten Arbeiterhaben also dort noch viel bessere Gelegenheit zum bäuer-lichen Nebenberuf. Freilich das ist ja wahr, hoch oben anden Thalhängen sind auch in der Schweiz keine Fabriken,und wer da wohnt, der kann schon der Entfernung wegennicht täglich in die Fabrik ins Thal hinabsteigen. Aber insolchen örtlichen Verhältnissen leben die wenigsten Arbeiterunseres Gebiets, ln den meisten Gegenden ist eine Ver-bindung von Fabrikarbeit und Landwirtschaft zum mindestennicht unmöglich . 2
Wenn man das Besprochene gegen einander abwägt,so muss man zugestehen, dass die Fabrik gegenüber derHeimarbeit für die Maschinenstickerei im allgemeinen, wieauch für den Sticker im besonderen das Bessere sei.Würde sie aber nicht, um auf einen allgemeinen Einwandeinzugehen, dazu beitragen, die Familienbande zu lösen und,den sittigenden Einfluss zu beseitigen, den Schmoller nochin allerjüngster Zeit der Heimarbeit infolge des bei ihr statt-findenden fortwährenden Verkehrs zwischen den Familien-mitgliedern nachsagt'f 3 In einigen wenigen Fällen gewiss.
' Vergl. Quellenangabe No. 35, S. 139.
2 Dass ich diese bäuerliche Nebenbeschäftigung unter den jetzigenVerhältnissen nicht verschwinden sehen möchte, habe ich an eineranderen Stelle auseinandergesetzt. Vergl. S. 88.
3 „loh kann von dem Urteil nicht abkommen, dass Handwerk undHausindustrie ein tüchtiges, sittliches Familienleben mehr begünstigen