1. DIE BA.\K VON NEUKALEDONIEN.
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keine Zensoren und keine Überwachungskommission für die Bank,sondern nur zwei Regierungskommissare (in Paris und inNoumea).
Das Kapital der Bank war 1874 zur Hälfte eingezahlt.Bei einem Betriebskapital von 2 Millionen fr. gab die Bankim ersten Semester 1875 (1. I. — 30. VI.) für 1,4 Millionen fr.Noten aus, die in der Kolonie gut aufgenommen wurden; siediskontierte zu 12% und ihr Portefeuille stieg von 1088 793 fr.am 30. VI. 74 auf 2 655 752 fr. am 30. VI. 75. Ihre Wechsel-geschäfte erreichten im ersten Semester 1875 die Höhe von4 Millionen fr. Die Aussichten waren durchaus günstig.Allein infolge unvorsichtiger und übertriebener Vorschüsse andie Viehzüchter sah die Bank sich genötigt, am 16. Oktober 1877ihre Zahlungen einzustellen. Am 27. November wurde der Konkursüber sie eröffnet und am 27. Februar 1878 der Einsprach desVerwaltnngsrates gegen den Konkurseröffnungsbeschluß in derBerufungsinstanz abgewiesen.
Die Hoffnung, daß die Bank bald nach Überwindungaugenblicklicher Schwierigkeiten ihre Zahlungen wieder auf-nehmen würde, war damit zunichte geAvorden.
Da die Noten der Bank ihre gesetzliche Zahlungskraft durchdie Liquidation der Bank verloren, mußte man zur Sicherung desGeldverkehrs für 1,5 Millionen fr. Kassenscheine in Beträgenvon 5—100 fr. ausgeben und sie mit Zwangskurs versehen.
Eine Entscheidung des Staatsrats belehrte die noch Zwei-felnden, daß der Staat durch Verleihung des Notenprivilegskeinerlei Verantwortung für die Zurückzahlung der Banknotenübernommen habe.
Der eigentliche Grund für den Mißerfolg der Bank vonNeukaledonien lag mehr außerhalb der Bank und ihrer Tätigkeit.Neukaledonien war damals noch nicht entwickelt genug für eineBank von der Größe der Bank von Neukaledonien . Ihr Erbetrat später die Bank von Indochina an, welche 1888 in Noumea eine Filiale errichtete. Die Bank von Indochina hat den über-zeugenden Nachweis erbracht, daß an dem Untergange der Bankvon Neukaledonien ihre Bankorganisation nicht schuld war.