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Die französischen Kolonialbanken / von Otto Soltau
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IV. VERGLEICH DER KOLONIALBANKEN.

ist. Da sie ihren Sitz nicht in Paris haben, können sie nichtdas einheimische Kapital kolonialen Unternehmungen dienstbarmachen; und ihr eigenes geringes Kapital erlaubt es ihnennicht, sich an größeren Finanzgeschäften zu beteiligen. Dasgerade Gegenteil hiervon gilt für die nächsten 3 Kolonialbanken,bei denen der Übergang von einer kolonialen Lokalbank zueinem großen, verschiedene Länder umspannenden Kolonialbank-institut vollzogen ist. Die Zahl der Bankstellen ist in dieserHinsicht ein offenkundiger Fingerzeig.

Die Banken von Westafrika und Indochina sind mit fastgleichen Statuten bedacht, haben auch das Recht zu Ernte-darlehen. Beide dürfen Finanzgeschäfte großen Stils machen.Aber das Kapital der Bank von Westafrika ist noch klein unddie Bank noch in den ersten Anfängen, wogegen die Bank vonIndochina ein glänzend entwickeltes Bankinstitut darstellt, dasauf eine mehr als 30jährige Vergangenheit zurückblickt. Naheverwandt mit ihr ist die Bank von Algerien in bezug auf Größeder Unternehmung, der verfügbaren Mittel und auch der erzieltenErfolge. Doch fehlen der Bank von Algerien die meistenEigentümlichkeiten, die wir an den Kolonialbanken oben fest-gestellt haben. Das Bedeutsamste hierbei ist-, daß bei der Bankvon Algerien die Trennung zwischen Agrar- und Handelsbankrechtlich schon seit Gründung der Bank, tatsächlich aber erstseit 1900 vollzogen ist. Die Bank von Algerien gewährt nurnoch handelsmäßigen Kredit, ist also eine reine Handelsbank.Sie berührt sich darin, wie in vielen anderen Punkten, mitder Bank von Frankreich und sondert sich dadurch gleichzeitigvon den übrigeu Kolonialbanken ab, da das Kennzeichen derKolonialbanken, ihr Spekulationscharakter, in gleichem Verhältniswie ihr agrarischer Charakter verschwindet.

Daß auch die Bank von Algerien noch keine Bank vonFrankreich im Kleinen darstellt, ist oben schon gesagt.