2. DIE KOLONIALBANKEN IM VERGLEICH MITEINANDER.
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Der eigentliche Agrarkredit blieb ihnen also fremd. Währendaber die Bank von Guyane neben ihren Diskontgeschäften durchihre envois d'or natif Wechselgeschäfte von nicht bedeutender,aber immerhin beachtenswerter Höhe erzielte und ihren Noten-umlauf stetig zunehmen sah, blieben die Wechselgeschäfte derBank von Senegal unerheblich aus Mangel an Handelsrimessen.Noch geringfügiger als ihre Wechselgeschäfte waren ihre Diskont-geschäfte. Das zeigt, daß die Bank mehr auf dem Außenhandelder Kolonie als auf dem Innenverkehr basierte. Damit stehtin Einklang, daß der Kontokorrentverkehr der Bank von Senegal nur wenig Depositengelder zurVerfügung stellte, und daß derNotenumlauf der Bank oft niedriger war als ihr Metallvorrat.Die Bank von Senegal stellte unter allen Kolonialbanken dieunentwickeltste dar. Die Bank von Guyane weist höhere Geschäfts-ziffern auf, sowie bessere Ausnutzung ihres Kapitals und deshalbauch höhere Dividenden. Aber bis 1901 stand auch sie aufziemlich primitiver Stufe. Neben einigen Diskont- und Wechsel-geschäften war der Ankauf und die Verwahrung von Bohgolddas Hauptgeschäft und fast die einzige Tätigkeit der Bank. Sieerinnerte an den primitiven Typus der ersten Banken des17. Jahrhunderts in Amsterdam und Hamburg , bei denen dieNoten als genauer Gegenwert und mathematischer Warrant desMetallbestandes der Bank angesehen wurde. Auch die Bankvon Guyane ist also in ihrer Entwicklung zurückgeblieben; sieist aber noch stark entwicklungsfähig. Anders verhält es sichmit den 3 Banken der Zuckerkolonien. Die Banken von Guade-loupe und Eeunion zeigen ein Überwiegen der Pfanddarlehenüber die Diskontgeschäfte mit dem Unterschiede, daß bei derBank von Guadeloupe die Erntedarlehen, bei der Bank vonReunion die Warendarlehen die Hauptrolle spielen. Im Gegensatzdazu nehmen bei der Bank von Martinique wie bei den nach-folgenden Kolonialbanken unter allen Vorschußgeschäften dieDiskontgeschäfte den breitesten Kaum ein. Alle drei Bankender Zuckerkolonien scheinen den Höhepunkt ihrer Entwicklungschon erreicht zu haben, wohl infolge der zweifachen Beschränkung,der sie unterliegen, und die räumlicher sowie sachlicher Art