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Die Wirkungen des Schutzzollsystems in Deutschland / von Georg Gothein
Entstehung
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überstieg die Ausfuhr mit 495 435 t die Einfuhr sogar um 195 631 tdem Werte uach um 26,4 Millionen t.

Allein in den 4 Hauptgetreidearten mufste Deutschland 1906für 710 Millioneu Jl mehr ein- wie ausführen und für 430Millionen Jl mehr als 1889, obgleich 1905 und 1906 sehr reicheErnten eiugebracht wurden. Gleichzeitig war die Maiseinfuhr von314 600 auf 1 252 000 t mit einem Mehrwert von rund 100Millionen Jl gestiegen. Nachdem das Jahr 1908 wieder eine nochnicht dageweseue reiche Ernte in Deutschland gebracht hatte,ging der Wert der Mehreinfuhr der 4 Hauptgetreidearten freilichauf 503 Millioneu Jl zurück.

Insgesamt ist die Einfuhr von Nahrungs- und Genufsmittelnund Vieh von 1 513 Millionen Jl in 1891 auf 2 490 Millionen Jliu 1907 gestiegen, also um 977 Millionen Jl , während die Aus-fuhr davon sich gleichzeitig nur von 438 auf 562 Millionen Jl ,d. i. um 124 Millioneu Jl gehoben hat. Trotzdem 1891 die Ein-fuhr wegen der deutschen Mifsernte ganz ungewöhnlich grofs unddie Preise exorbitant hoch waren, während 19061907 rechtgute Erntejahre waren, mufste Deutschland 1907 doch für seineNahrungs- und Genufsmittel dem Ausland über 3 / 4 Milliarden Jlmehr bezahlen als damals. Die enormen Agrarzölle haben dieseMehreiufuhr nicht verhindern können; dabei ist die Einfuhr derGenufsmittel nur ganz unbedeutend gestiegen.

Die Getreidezölle kommen ausschliefslich den landwirtschaft-lichen Grofsbetrieben und den grofsen Mittelbetrieben zugute; derkleine Mittelbetrieb und der Kleinbetrieb sind genötigt Getreideoder Mehl, Graupen, Brot sowie Futtermittel zuzukaufen. DerSchwerpunkt dieser letzteren Betriebe liegt in Deutschland in derVieh Wirtschaft: Viehzucht, Schweinemast und Meiereiwirtschaft.Der Gemüse- und Obstbau spielt nur in wenigen Gegenden Deutsch-lands eine erhebliche Rolle; eine noch geringere die Geflügelzucht,die auch durch die zolltarifarische Verteuerung des Körnerfutters