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Die Wirkungen des Schutzzollsystems in Deutschland / von Georg Gothein
Entstehung
Seite
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Die agrarische Bewegung erachtete es denn auch für not-wendig:, um das Interesse der kleinen Landwirte an der Schutz-zollbewegung wachzuhalten oder zu erregen, einen wesentlich er-höhten Schutz für Vieh und tierische Erzeugnisse einzuführen.Gerade weite Kreise der kleinen landwirtschaftlichen Bevölkerungwerden aber auch durch die hohen Viehzölle geschädigt, insbe-sondere durch die auf Pferde (die bei Arbeitspferden je nach demWert bis zu 120 Jl , bei Zuchtpferden bis zu 360 Jt steigen), dasich nur wenige der kleineren Landwirte mit der Aufzucht vonPferden abgeben können.

Nicht viel auders liegt es für die Milchwirtschaft, da dasMilchvieh nicht nur durch die hohen Zölle, sondern mehr nochdurch die Viehsperren verteuert wird. Dadurch wird die Einfuhrdes ergiebigen holländischen Milchviehes und die Aufbesserungder heimischen Rassen durch Zuchtmaterial fast unmöglich gemacht.Das trockene Klima Deutschlands und die bei dem Mangel auWeiden und infolge der ausgedehnten Acker Wirtschaft benötigteStallfütterung bewirken, dafs die heimischen Rassen von we-nigen Gegenden au der See und im Gebirge abgesehen nichtbesonders milchergiebig sind, und der Auffrischung des Blutesdurch ausländisches Zuchtmaterial bedürfen. Die Politik der Zölleund der unter dem Mantel des Seuchenschntzes vorwiegend imVerteuerungsinteresse eingeführten Viehsperren erschweren dasaufs änfserste. Trotzdem die Milchpreise in Deutschland aufser-ordentlich hoch sind, sodafs die Ernährung der Kinder darunterleidet, können die Milchwirtschaften bei der enormen Verteuerungdes Milchviehes und soweit sie ganz oder zum Teil auf den Zu-kauf des Futters angewiesen sind, das durch die hohen Zölle aufMais, Gerste, Futterroggen verteuert wird, nicht besonders pro-sperieren. Dazu kommt, dafs nach jeder schlechten Heu-, Kar-toffel- oder Getreideernte die Rinderhaltung eingeschränkt werdenmufs, und dafs es dann bei guter Ernte unmöglich ist, den Vieh-