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Die Wirkungen des Schutzzollsystems in Deutschland / von Georg Gothein
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bestand wieder entsprechend zu vermehren. So ist denn auch dieRinderhaltung im Verhältnis zur Bevölkerungsziffer wesentlichzurückgeblieben. Kamen auf 100 Einwohner Anfang der 1860erJahre 39,2, so 1873 noch 38,4 Stück Rindvieh, 1883 noch 34,5,1892 noch 35,5, 1900 noch 33,6 und 1904 nur 32,2. Seitdem hatnoch ein weiterer relativer Rückgang auf 32,04 für 1907 statt-gefuuden. x ) Wesentlich stärker noch ist er in Schafvieh, wo ervon 73,3 Stück auf 100 Einwohner, Anfang der 60er Jahre bisauf 13,2 in 1904 und 12,14 in 1907 zurückgegangen ist. NurSchweine zeigen eine allmähliche Zunahme von 17,4 in 1873 auf31,6 in 1904 und 30,43 in 1907.

Konnte man früher annehmen, dafs dieser relative Rückgang desRindviehs durch die Steigerung der Qualität einigermafsen aus-geglichen worden sei, so ist das nach der rigorosen Durchführung derViehsperren nicht mehr anzunehmen, da bei dem Fehlen frischenZuchtmaterials die Qualität wieder zurückgegangen sein dürfte.

Der den Getreidebau besonders kultivierende Grofsbetrieb be-fafst sich weniger mit der Aufzucht als mit der Mast und bedarfdes Rindviehes hauptsächlich der Düngerproduktiou halber, wobeigleichzeitig der Mastochse oder Stier zur Pflugarbeit Verwendungfindet. Der landwirtschaftliche Grofsbetrieb hat also, da er dasRindvieh mager kauft, und es verkauft, sobald es fett ist, zwarein Interesse an niedrigen Magerviehpreisen, dagegen an hohenSchlachtviehpreisen, während das der kleinen Landwirte ganz über-wiegend ein solches der Milchwirtschaft ist, und der mittlere Klein-betrieb sich auch viel mit der Aufzucht befafst. Kleine und

) Noch wesentlich schärfer drückt sich dieser Rückgang bezüglichder mehr als zwei Jahre alten Rinder aus, deren Zahl sich seit 1873 nurum 16,8 % vermehrte, während die Bevölkerung um fast 53 % stieg.Von 1892 auf 1907 hob sich der Bestand davon von 11,50 MillionenHäuptern auf nur 12,43 Millionen, d. i. um 8 %, während die Bevölke-rung gleichzeitig um 24,45 % zunahm. Gegen 1873 betrug die Zunahme10,8 % bzw. 53/dl

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