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überstehen, da er immerhin noch so viel geerntet hat, um seineeigene Schweinehaltung durchzufüttern und in den enorm gestie-genen Preisen Ersatz findet. In solchen Zeiten nimmt der Anteilder Grofsbetriebe an der Versorgung der Schlachthäuser mitSchweinen stark zu. Bei der nächsten guten Ernte sind die hohenPreise ein gewaltiger Ansporn, die Schweinehaltung wieder zuvermehren; die Ferkelpreise steigen ungesund, und nach einigerZeit, gewöhnlich nach zwei Jahren, tritt eine Überproduktion ein,die den Preis wirft; bei der nächsten schlechten Kartoffelerntewiederholt sich der weiter oben dargelegte Vorgang. Das Volkaber leidet schwer unter der wechselnden Versorgung mit Fleisch.
Für 1907 ist eine Zunahme des Fleischkonsums berechnetworden, da die Schlachtungen namentlich von Schweinen und Jung-rindern infolge ungenügender Futterernte gestiegen waren.
Man mufs indessen die Angaben über den steigenden Fleisch-verbrauch mit einer gewissen Skepsis betrachten, da dabei inkeiner Weise berücksichtigt ist, dafs die zur Schlachtung getan-gendeu Tiere weniger Fleisch ergeben haben als in den Zeitenvor der Fleischnot, während das Gewicht von Knochen, Decke,Klauen, Hörnern und Blut dasselbe geblieben ist. Die Klagender Metzger und Schlachthofverwaltungeu über den starken Rück-gang des Fleischgewichts der Schlachttiere waren sehr lebhaft,und aus diesen Kreisen wird noch immer behauptet, dafs dieMästung bisher nicht wieder auf die frühere Höhe gekommen sei.Erscheint der deutsche Fleischverbrauch zu den Berechnungendesselben in England und Frankreich auch relativ nicht ungünstig,so mufs doch erwogen werden, dafs der Verbrauch von frischenFischen, der in England eine so grofse Rolle spielt, in Deutsch-land gering ist, ebenso der an Geflügel. Der Fleischverbrauchder ärmeren Klassen beschränkt sich vorwiegend auf Schweine-fleisch, und gerade in diesem sind die Schwankungen aufser-ordentlich grofs.
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