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Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
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lands Beispiel nachzuahmen, aber, besser beratlien wie dieses,führte es seine Reform zum glücklichen Ziele; ein Unternehmen,das ihm allerdings dadurch etwas leichter wurde, dafs eingrofser Theil des Umlaufs nach bestellendem Brauch aus re-präsentativen Werthzeicben, Bankscheinen, zusammengesetzt,das volle Vertrauen des Publikums geniefst. Selbst in England regten sich eine Anzahl einflufsreicher und hochgestellter Mit-glieder der Finanzwelt, Direktoren der Bank von England , so-wie die an dem Handel mit Indien und China am meistenbetheiligten Handelsstädte zu Gunsten des Silbers; und die-jenigen, welche auch zu einsichtsvoll waren, um ihr Vaterlandauf diesen Abweg führen zu wollen, thaten doch, wie nament-lich der bedeutende Sachkenner und Staatsmann Georg Goschen ,alles Mögliche, um die Länder des Continents im wohlver-standenen Interesse Englands zum Versuch einer Wiederher-stellung des alten Silberpreises zu ermuntern. Welche mächtigeAnstrengungen in Deutschland seit langer Zeit auf dasselbeZiel hinarbeiten, ist nahezu, wenn auch nicht in vollem Mafse,bekannt. Hatte doch sogar der Emissär der amerikanischenSilberleute, William D. Kelley , bei dem Reichskanzler eingeneigtes Ohr gefunden! Angesehene Nationalökonomen, theilsunabhängige, theils sojche, welche ihre Segel nicht früh genugnach dem jeweilig von oben wehenden Winde stellen zukönnen meinen, erklärten unserer Münzreform den Krieg; derganze Heerbann der Agrarier stürmte hinterher; eine endloseFluth von Abhandlungen und eine mit allen Künsten derDialektik und zuweilen mit Aufgebot eines erheblichen wissen-schaftlichen Apparats betriebene Agitation, welche mit denfranzösischen, amerikanischen und englischen Bimetallistenenge Beziehungen unterhielt, setzte mit allen Kräften ein.

Ein erster Sieg wurde von ihnen erfochten, als die Reichs-regierung im Frühjahr 1879 die Welt mit der Erklärung über-raschte, dafs sie die Silberverkäufe einstellen wolle. Dadurchgewann die Sache nach Aufsen den Schein, als hätte Deutschland seine Münzreform zwar gerne zu Ende geführt, sei aber durchdie unabwendbare Gewalt der Dinge darin aufgehalten worden.

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