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Die Augsburger Postzeitung und Neue Augsburger Zeitung im neuen Heim
Entstehung
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leitung und Geschäftsführung seines Instituts zu übernehmen. Eswar ein außerordentlich glücklicher Griff, den Huttler mit der An-stellung dieses Mannes getan, denn Grabherr war nicht nur ein Her-

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vorragend tüchtiger Fachmann, er war auch die personifizierteGewissenhaftigkeit und Arbeitsamkeit, und wenn das Geschäft imLaufe der Jahre mehr und mehr gediehen und gewachsen ist undschließlich einen so gewaltigen Auf-schwung genommen hat, so ist dasunbestritten in erster Linie seinemunermüdlichen Wirken zuzuschrei-ben. Ohne kleinlich zu sein, war erbis ins Kleinste peinlich genau. Inallen Sparten des Geschäftes machtesich gleich dem Pulsschlag im Orga-nismus des menschlichen Körpers seinWalten ständig fühlbar. Kurz ge-sagt: Er war die S e e I e des Ganzen.

Als Fachmann hat er die tech-nischen Neuerungen aus dem Ge-biete der Buchdruckerkunst undspeziell des Zeitungsdruckes stetsmit wachsamem Auge verfolgt undsoweit als möglich in seinem Be-triebe eingeführt. So kam es dennauch, daß dieHuttlersche Bude",wie vr. Huttlers Offizin anfänglichvon liebenswürdigen Kollegen be-nannr wurde, schon 1880 von der Maschinenfabrik Augsburg, die unterder Leitung ihres am 1. Juli 1913 in Ruhestand getretenen General-direktors Geheimrats v. Buz die ersten Rotationsmaschinen inDeutschland fabrizierte, eine solche bezog und damit in die Reihe dermodernsten Betriebe damaliger Zeit einrückte. Der Setzmaschinegewährte Grabherr 1901 Eingang mit dem SystemTypograph".

Doch nicht weniger Verständnis wie der technischen Seite desZeitungsbetriebes brachte Grabherr, der den Weg vom einfachenSoldaten bis zum Befehlshaber durchmessen, als tiefgläubiger Sohnseiner Kirche und Überzeugungstreuer Anhänger der Zentrumspartei den idealen Aufgaben der Presse entgegen. Und in Anerkennungdessen ist denn auch er von Papst Leo XIII . ausgezeichnet wordendurch Verleihung des Ritterkreuzes des Gregoriusordens.

Wie sein Kompagnon ist im letzten Jahrzehnt seines Lebensauch Grabherr infolge von Arterienverkalkung schwer leidend ge-wesen, aber er ließ sich trotz allen Zuredens nicht bewegen, demGeschäfte längere Zeit fernzubleiben. Er konnte nicht ohne seinegewohnte Arbeit sein. Und so ist er, wenn man so sagen darf, schließ-lichin den Sielen" gestorben, infolge eines Herzschlages, der ihnim Kreise seiner Angehörigen ereilte, als er eben aus der Gesellschaftlieber Freunde, mit denen er nach eines arbeitsreichen Tages Lastden Abend fröhlich verbracht hatte, nach Hause zurückgekehrt war.

Sechs Tage später, am 8. Dezember 1909, folgte ihm FaktorA l o i s R u f. der am 30. Januar 1888 an seine frühere Stelle getretenund ihm seitdem ein treuer Mitarbeiter gewesen war, im Tode nach.

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Zur Zeit, da Adolf Haas und Joseph Grabherr starben, befandsich ihr Geschäft längst nicht mehr in der Schmiedgasse. Das Anwesen

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6 220 war zu klein geworden, und so hatten sie es schon MitteOktober 1890 in das an Georgi dieses Jahres von Kupferschmied-meister Max Blümel gekaufte, am Schmiedlech gelegene Haus 6 230(s. Abbildung S. 20), von dem später noch die Rede sein wird, verlegt.

Auch in den Besitzverhältnissen war inzwischen eine Aenderungeingetreten. Das Geschäft war im April bezw. Mai 1905 in eine Ge-sellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt worden. Als Ge-schäftsführer fungierten zunächst die beiden bisherigen Inhaber Haasund Grabherr, und nachdem Haas gestorben war, Grabherr und seinSchwiegersohn Dr. Hyacinth R i n k. Letzterer war am 1. Mai 1896in die damals drei Mann starke Redaktion der beiden Blätter ein-getreten und im Herbste 1899 in den Verlag übergegangen. 1901wurde er mit Prokura betraut und 1905 zum Direktor bestellt. SeitGrabherrs Tod ist Dr. Rink alleiniger Geschäftsführer.

Eine weitere Aenderung erfuhr die Firma im November 1912mit Rücksicht aus den in diesem Jahre unternommenen Um- undNeubau des Geschäftshauses und etwa dadurch bedingte finanzielleNotwendigkeiten.

Dieser Um- und Neubau war schon seit Jahren ein dringendes Be-dürfnis geworden, und schon Grabherr hatte sich darum auch wiederholtSkizzen anfertigen lassen. Die letzte ist vom 30. Nov. 1909 datiert; siewurde ihm am 1. Dez. überreicht, und als ihn tags darauf Dr. Rinkfragte, was nun mit dem großen Bauprojekte sei, antwortete er resig-niert:Das kann ich nicht mehr machen, das ist etwas für dich" undnoch ehe der Tag zu Ende ging, war bereits sein Leben zu Ende gegangen.

Der jetzige Leiter der Firma, Direktor Dr. HyacinthRink, ist in Ottenbach am Fuße des Hohenstaufen am 15. August 1870

als Sohn des Lehrers Gebhard Rinkgeboren worden und in Donzdorf,wo sein Vater von 1872 ab wirkteund als Oberlehrer 1901 starb, aus-gewachsen. Nachdem er von 1882 bis1887 die Lateinschule in Mergent-heim und von 1887 bis 1891 dasGymnasium in Rottweil besuchthatte, widmete er sich aus der Uni-versität Tübingen dem Studium derklassischen Philologie, Philosophie,Geschichte, Kunstgeschichte und Lite-ratur. Von Herbst 1894 bis Herbst1895 wirkte er als Erzieher in Kölna. Rh. Dort faßte er den Entschlußzur Presse zu gehen, trat AnsangDezember 1895 beimIpf" in Ell-wangen als Volontär ein, redigierteim Februar und März 1896 aushilfs-weise in Schwäbisch-Gmünd das dor-tige Tagblatt und wurde am 1. Mai1896 an Stelle des nach Fricks Weggang zum verantwortlichen Redak-teur der Postzeitung beförderten vr. Müller als letztgemeldetervon 33 Bewerbern in die Redaktion derAugsburger Postzeitung"

Heleptionrentrole.

undNeuen Augsburger Zeitung" berufen. Am 22. Juni 1899 holteer sich in Tübingen den philosophischen Doktorhut. Seit Haas' Todwar Rink auch 1. Vorsitzender der Zentrumspartei im Kreise Schwa-ben und Neuburg, hat jedoch im Frühjahr 1913 wegen beruflicherUeberlastung dieses Ehrenamt niedergelegt.

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