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Die Augsburger Postzeitung und Neue Augsburger Zeitung im neuen Heim
Entstehung
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Gebiete im Jahre 1877 den zweiten Preis des Bayerischen Gewerbe-museums Nürnberg und später van König Ludwig II. die Ludwigs-medaitle. Nicht weniger verdienstvoll wirkte er auf dem Gebiete derErbauungsliteratur, indem er, in die Schachte vergangener Zeitensteigend, viele wertvolle Werke echter Frömmigkeit hervorholte. Am1. März 1885 trennte er das Münchner Geschäft von dem Augsburger ab, um ersteres unter der Firma Dr Max Huttler L Co. in offenerHandelsgesellschaft mit einem vormaligen Postrevisor namens KonradFischer, in dessen Besitz es nach Huttlers Tod übergehen sollte,weiterzuführen. Als Dr Huttler diesen Schritt tat, war er schlechtberaten, denn Fischer war des Vertrauens, dasihm Dr Huttler entgegenbrachte, nicht würdig.

Doch es würde zu weit führen, hier auf dieunerquicklichen Vorkommnisse, welche nach Dr.

Huttiers Tod eingetreten sind und erst nachdem Uebergang des Geschäftes in das Eigen-tum der Manzgesellschaft allmählich wiederparalysiert werden konnten, näher einzugehen.

Auch parlamentarisch war Dr Huttlertätig. Er gehörte von 18691875 der Abgeord-netenkammer des bayerischen Landtages als Mit-glied der seit 1869 bestehenden patriotischen Par-tei an, und zeigte sich auch hier als Mann vonweitem Blicke. Obwohl Anhänger der groß-deutschen Bewegung stimmte er anläßlich desAusbruches der Feindseligkeiten zwischen Frank-reich und Preußen bei Beratung der Frage des6U8U8 loeäerm nach einem vergeblichen Versuche,durch einen Vermittlungsantrag fürseine Partei, die größ-tenteils nur fürbewaffnete Neu-tralität war, eineBasis zur Verstän-digung mit der Re-gierung zu schaffen,mit einigen weni-gen Fraktionsgenossenfür den Anschluß anPreußen und den Ein-tritt in den Krieg.

Ebenso trat er im folgen-den Jahre warm für dieAnnahme der VersaillerVerträge ein und verlieham Schlüsse seiner eindrucksvollen Rede vom 18.

Januar der. Hoffnung Ausdruck, daß nunmehrein kräftiger Baum erwachse, ein Baum der Ein-heit und Stärke, unter dessen mächtigen Schirmund Schutz sich alle deutschen Stämme in Frei-heit und Eintracht zusammenfinden mögen".

In kirchenpolitischer Beziehung ist aus derparlamentarischen Tätigkeit Dr. Huttlers beson-ders sein energisches Eintreten für die Be-schwerden des Augsburger Bischofs in der soge-nannten altkatholischen Frage zu erwähnen.

So steht Dr. Huttler, ein durch wissenschaft-liche Bildung, wie durch Entschiedenheit der Ge-sinnung und Willensstärke Tatkraft gleich her-vorragender Mann, dessen Leben ein Leben vollaufreibender Arbeit war, heute- 25 Jahre nachseinem Heimgänge vor uns als ein leuch-tendes Vorbild und eine stete Mahnung, unserStreben unentwegt zu richten nach dem Reicheder Ideale, die seine Seele zeitlebens erfüllt und beherrscht haben.

Nach Dr. Huttlers Tod übernahmen das Augsburger Geschäft,mit Ausnahme der Verlagsbuchhandlung, die an ihren bisherigenLeiter Michael Seitz überging, am 4. Februar 1888 der bisherige Chef-redakteur der Augsburger Postzeitung, Adolf Haas, und der bis-herige Faktor und Geschäftsführer Joseph Grabherr, unter derFirmaLiterarisches Institut von Haas L Grabherr".

Adolf Haas war am 29. Juni 1844 zu Neuburg a. D. alsSohn des Kaufmanns Martin Haas geboren. Nachdem er das Gym-nasium seiner Vaterstadt mit erster Note absolviert hatte, widmete ersich an der Universität München dem Studium der Rechte. Das

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aus dem Staatskonkurse, dem er sich 1870 in Augsburg unterzog,ging er als Zweiter hervor, so daß ihm auf der juristischen Laufbahneine glänzende Karriere in Aussicht stand. Doch Haas verfolgte sienicht, sondern trat schon am 1. März 1871 in jugendlich feuriger Be-geisterung für Kirche und Vaterland, die ihn zeitlebens nie verließ,in die Redaktion derAugsburger Postzeitung" ein, deren eigent-licher Leiter er über zwei Jahrzehnte lang blieb, wennschon er sie nurbis Ende 1882 gezeichnet hat. Es braucht nur an die heftigen, unaus-gesetzten Kämpfe der siebziger und achtziger Jahre und an die uner-quicklichen Wirren im eigenen Lager in den siebziger Jahren erinnertzu werden, um die Schwere und Bedeutung derAufgaben zu kennzeichnen, die dem Redakteureines maßgebenden Blattes damals gestelltwaren. Zu diesen Ausgaben kam bei ihm nocheine Arbeit besonderer Art: seine intensive Be-tätigung aus dem Gebiete der O r g a n i s a t i o n.Es dürste nur wenig größere Gemeinden imKreise Schwaben und Neuburg mit Ausnahmedes Algäus, dessen Bearbeitung Buchdruckerei-besitzer und Verleger Huber in Kempten sich vor-behalten hatte geben, in denen Haas in den70er oder 80er Jahren nicht gesprochen hat. Undwenn Schwaben unter allen bayerischen Kreisenden Ruhm für sich in Anspruch nehmen kann, dererste gewesen zu sein, der eine wohlgefügte, gut-sunktionierende Organisation besaß, die für dieanderen Kreise vorbildlich wurde, so ist das einVerdienst, das einzig und allein Adolf Haas ge-bührt. Er war denn auch vonHaus aus der beru-fene Führer derZentrumspartei imKreise SchwabenundNeuburg und ist es ge-blieben bis zu seinemTode. Daneben hat er auchin der Zentrumspartei derStadt Augsburg bis wenigeJahre zuvor die Führung ge-habt und in zahlreichen ka-tholischen Vereinen, vor al-lem im Katholischen Kasino,dessen Vorsitzender er langeJahre war, eine intensive Tätig-keit entfaltet. Ja,es gab",wie an seinem Grabe von berufenem Munde her-vorgehoben wurde,keine katholische Aktion, woman nicht nach ihm rief, und er war da". SeineVerdienste um die katholische Sache sind denn auchvon Papst Leo XIII . anerkannt worden, indem erihm eine hohe Auszeichnung, das Ritterkreuz desPiusordens, verliehen hat.

Vom Geschäfte zog sich Haas im letzten Jahr-zehnt seines Lebens mehr und mehr zurück, be-sonders nachdem im Frühjahr 1906 die Schrift-leitung derBeilage", die er bis dahin noch selbstbesorgt hatte, Dr. Hans Rost übertragen wordenwar, der dann noch im gleichen Jahre 1. Okt.ganz in den Redaktionsverband der Postzeitungeingetreten ist. Zu dem Herzleiden, das Haas schonseit Anfang der neunziger Jahre viele Beschwerdengebracht, gesellte sich im Laufe der Zeit nochein anderes heimtückisches Leiden, Arterienver-kalkung, das bei ihm rasche Fortschritte machteund schließlich zu einem Gehirnschlage führte, der am 4. September1908 seinem Leben ein frühzeitiges Ziel setzte.

Schon fünf Vierteljahre später, am 2. Dezember 1909, folgteihm Joseph Grabherr, sein langjähriger Kompagnon, unerwartet baldim Tode nach.

Joseph Grabherr war am 19. Dezember 1840 in Mindelheim geboren als Sohn des Schuhmachermeisters und späteren PrivatiersJoseph Grabherr. Ein talentvoller und ruhig-strebsamer Knabe, er-lernte er in der Fackler'schen Offizin seines Heimatstädtchens dasBuchdruckergewerbe und konditionierte in der Folge in Augsburg ,Zürich, Ingolstadt und München . Im Jahre 1868 wurde er von

theoretische Examen machte er im Jahre 1867 mit bestem Erfolge, und ^ Dr. Huttler als Faktor nach Augsburg berufen, um die Betriebs-