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Die Augsburger Postzeitung und Neue Augsburger Zeitung im neuen Heim
Entstehung
Seite
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plizierten Arbeitsleistung möglich war. Oder ist es etwa keinekomplizierte Arbeit, die ein Redakteur zu leisten hat, wenn er,wie in einem Blatte einmal zu lesen war, folgenden Anforde-rungen entsprechen soll? Es hieß in diesem Blatte nämlich:

Ein Redakteur soll ein guter Schauspieler sein, denn erhat eine schwere Rolle zu spielen; er muß viele Ohren habenweil er bald diesem, bald jenem eins leihen muß; er muhdie Schwimmkunst verstehen, um bald mit dem Strome,bald gegen den Strom der Meinungen und Ansichten zuschwimmen; er muh ein Wegweiser sein, um die Rich-tungen der Zeit anzugeben, ein rüstiger Fußgänger, ummit der Zeit fortzuschreiten; er soll statt der Fühe Hufehaben, weil er gut beschlagen sein muß in Kunst undWissenschaft; er muh ein gewandter Fechtmeister sein,um alle Angriffe zu parieren oder zurückzuschlagen;ein scharfer Schütze, um sein Ziel nicht zu verfehlen;ein Nagelschmied, um stets den Nagel auf den Kaps zutreffen; ein Schneider, um die Gedanken in ein hüb-sches Gewand zu kleiden. Item muh er ein guter Wirtsein, um schmackhafte Geistesnahrung aufzutischen; einWeinhändler, also ein geistreicher Mann; ein Gärtner,um poetische Blumen zu hegen; ein Eäemann, um denSamen des Guten auszustreuen; er muh auch ein Nacht-wächter sein, um zu verkünden, was die Glocke der Zeiigeschlagen habe; auch sogar ein Scharfrichter, um allesSchlechte scharf zu richten usw.; kurz: ein Redakteur muhalles mögliche sein, vor allem aber ein Lamm an Ge-duld, denn die Welt läßt gewöhnlich kein gutes Haar anihm, sondern nimmt ihn selbst unter das kritische Messer,wo nur eine passende Gelegenheit sich zu bieten scheint."

Betrachten wir uns das Werden der Zeitung in derRedaktionsstube selbst etwas näher. Da empfängt dieHerren bei ihrem Eintritt sofort ein Stoß Briefe undZeitungen von solchemUmfang, daß einem Laienvorn bloßen Ansehenangst und bange würde,noch dazu, wenn man ihmsagen würde, dies allesmüsse in längstens dreiStunden gesichtet undverarbeitet sein. DemFachmann jedoch erscheintdie Menge der Arbeitnicht unüberwindlich, denner kennt seine Mitarbei-ter, weiß genau, bei wel-chem Manuskript es fastheillos" zu redigierengibt und welches sozu-sagen beinaheunbesehen"in die Setzerei hinüber-gegeben werden kann,und weiters bedarf esnur einiger Blicke in dieauswärtigen Zeitungen,und er ist sofort infor-miert, ob daraus etwaszu gebrauchen ist oder

Betriebsleiter Oaicr.

Druckereibeamte uuö Korrektoren.

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eine Leichtigkeit, wenn nicht die Menge der Blätter, denen erjeden Tag seine Aufmerksamkeit widmen muß, gar so groß wäreund infolgedessen ihm so viel kostbare Zeit rauben würde.Zunächst verteilt der Chefredakteur die Briese und Zei-tungen an die verschiedenen Ressorts; den politischenTeil und andere wichtige Rubriken bearbeitet er selbst,während der bayerische Teil, die Kommunalpolitik,der lokale Teil, das Feuilleton, die Theaterkritik,das Vereinswesen, Sport usw. den übrigen Redak-teuren zugeteilt sind. Kaum ist ein Teil der ein-gelaufenen Korrespondenzen von privaten Mitar-beitern oder von den Korrespondenzbüros bewäl-. stigt, da rückt schon der Abgesandte des Metteursheran und bittet um Manujkripte für die Setzerei.Wie oft kommt es nun vor, daß zu wichtigenReichstags- oder Landtagsbeschlüssen, die erst amvorigen Abend gefaßt wurden, schon am nächstenMorgen in einem Leitartikel, der bekanntlich ander Spitze des Blattes steht, Stellung genommenwerden muß! Da heißt es die Situation förmlichüberfliegen, das Resultat zusammenzufassen, es miteinigen markanten Sätzen so hervorzuheben und zubeleuchten, wie es der nüchterne Reichstngsbericht kaumzuwege bringt, oder kritisch zu verfahren, je nachdem esdie Parteigrundsätze verlangen. Und dies alles nebender Arbeit, die der übrige Raum der Zeitung verlangt, so

daß immer nur von einerrasenden Eile der Zei-tungsherstellung gespro-chen werden kann. Oftwird dein Redakteur dasManuskript noch naß un-ter den Händen weggezo-gen so kann sich derLeser am besten einen Be-griff davon machen, inwelchem Tempo Redak-tionsarbeit geleistet wer-den muß. Dazwischen-hinein klingelt das Tele-phon und bringt Nach-richten aus aller Welt, oftaußerordentliche Begeben-heiten, die sofort einenKommentar seitens derRedaktion verlangen, muhdie Redaktion, falls ihreine Nachricht nicht rechtgeheuer vorkommt, anverschiedenen Stellen an-fragen, ob sie auf Wahr-heit beruht, kommen ver-

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Büro öes Betrieüsleiters.

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nicht. Jeder Redakteur ist mit den meisten größeren Zeitungenderart vertraut, daß er ihre Anlage fast so genau kennt wie die seineseigenen Blattes, und so wäre ihm das Durcharbeiten der Zeitungen

> Büro öes Oöer/rcktors.

t ärgerte Besuche, die sich über eine Nachricht im vorigen Blatt beschwe-) ren, worin der Name Meyer mity" statt miti" geschrieben war,? und schließlich gilt es, sich in endlosen Unterredungen gegen langjährige