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Christian Thomasens Von Der Kunst Vernünftig und Tugendhaft zu lieben : Als dem eintzigen Mittel zu einem glückseeligen, galanten und vergnügten Leben zugelangen, Oder: Einleitung Der Sitten-Lehre ; Nebst einer Vorrede, In welcher unter andern der Verfertiger der curiösen Monatlichen Unterredungen freundlich erinnert und gebeten wird, von Sachen, die er nicht verstehet, nicht zu urtheilen, und den Autoren dermahleins in Ruhe zu lassen
Entstehung
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zog Das6.H.vonder absonderlichen

' schmecken und zu gemessen ? sondern sie giebt ihmauch das gwste Vergnügen; indem sie ihm dieZeit niemahlen lang werden last. Derowegenist es unmöglich, daß die Gemeinschaft der Güterfaule Leute machen könne, weil sie unter niemandals vernünftigen Personen statt haben soll.

95. Ader sprichst du, wenn das Eigenthumaufgehoben ist, so ist alle Gütthatigkeitaufgehoben, weil ich die Gütthatigkeit darin-nen ausübe, wenn ich dem andern von meinenGütern was ansehnliches mittheile, nicht aberwenn ich ihm die gemeinen Güter gemessen lasse.Ist denn die Gütthatigkeit aufgehoben, so wird

. gleichsam die Seele derÄ.iebe erstickt, uuddas Band zerrissen, das zwey Hertzen verbindensoll. Und solchergestalt siehest du ja augenschein-lich, daß die Gemeinschaft der Güter die Gemüths,Ruhe mehr hindere als befördere.

96. Dieser Einwurf ist noch viel leichter m he-ben, als der erste, weil seine 8opKittere^en vielhandgreiflicher seyn. Denn anfänglich Heber dieGemeinschaft aller Güter die Gütthatig-keit nicht gany auf, weil, wie oben gedacht,auch der ärmste Mensch durch sein Thun und Las-sen seinem Freunde die grösten Dienste erweisenkau. Hernach so weiset gegenwärtiges Haupt-stück, daß die Gütthatigkeit zwar das Mittel sey,den Menschen aus dem Stande des Mißtrauensin die vertrauliche Liebe zu setzen; aber deßwegenist sie nicht die Seele, sondern nur das leyte

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