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Christian Thomasens Von Der Kunst Vernünftig und Tugendhaft zu lieben : Als dem eintzigen Mittel zu einem glückseeligen, galanten und vergnügten Leben zugelangen, Oder: Einleitung Der Sitten-Lehre ; Nebst einer Vorrede, In welcher unter andern der Verfertiger der curiösen Monatlichen Unterredungen freundlich erinnert und gebeten wird, von Sachen, die er nicht verstehet, nicht zu urtheilen, und den Autoren dermahleins in Ruhe zu lassen
Entstehung
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Z4: Das 8. H. von der vernünftigen

wolle vermittelst seiner Allmacht ausserordentlichwider den Lauf der Natur ihr Leben erhalten.

9. Im Gegentheil aber weiset auch die tagli-che Erfahrung, daß GOtt diejenigen, die noch sowohl die Grund-Regeln der Natur in diesemStück in. acht genommen, durch einen unver,sehenen und gewaltsamen Tod hinweg-reisie, den sie nicht vermögend sind durch allenihren angewendeten Fleiß nur auf eine Minuteaufzuschieben: Es geschehe nun solches entweder,daß GOtt dadurch uns Menschen lehren wolle,daß er als ein HErr der Natur nicht sich, fondernuns gewissesZiel solches zu beobachten gesetzet ha-be, er aber solches allezeit verkürtzen könne; oderbaß so denn unser Lebens»Ziel nicht nach unsere«?natürlichen Muthmassung, sondern nachGOttesVorwissenheit gerechnet werden müsse; oder aber,daß ein solcher Mensch die Verkürtzung seines Le-bens durch Unterlassung vernünftiger Liebe gegenandere Menschen vder durch unvernünftige Tha-ten wider die Schuldigkeit gegen GOtt selbst, sichüber den Hals gezogen habe.

10. Und damit wir selbst nicht wider dieSchuldigkeit sundigen, so wollen wir ferner hiernicht nachgrübeln, wie dock dieses mit GOt-tes Vorsehung vndAUmackt bestehen kön-ne, daß ein Mensch sich sein L.ebenS'Ziel»erküryen könne. Denn diese Nachgrüblunzist vergebens, und nutzet uns nichts, weil alle gött-liche EiMschaften unbegreiflich seyn, und zu