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Christian Thomasens Von Der Kunst Vernünftig und Tugendhaft zu lieben : Als dem eintzigen Mittel zu einem glückseeligen, galanten und vergnügten Leben zugelangen, Oder: Einleitung Der Sitten-Lehre ; Nebst einer Vorrede, In welcher unter andern der Verfertiger der curiösen Monatlichen Unterredungen freundlich erinnert und gebeten wird, von Sachen, die er nicht verstehet, nicht zu urtheilen, und den Autoren dermahleins in Ruhe zu lassen
Entstehung
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Glöckseeligkeit des Menschen. 9;

sich selbst lehret, allezeit seine eigene Gemüths-Ruhe zu befördern und zu erhalten bemühet ist.

8z. Ja was wollen wir lange viel von ver-nünftigen und tugendhaften Leuten reden? lie-ben doch die unvernünftigsten und lasterhaf-testen L.euee andere Geschopffe mehr alssich, und ist nur darinnen der Unterscheid zwi-schen ihnen und vernünftigen Menschen, daß siesich einbilden, sie lieben sich mehr als alle andereDinge in der Welt, da hingegntheil ein vernünf-tiger Mensch wvhl weiß, daß er andere Menschenmehr liebet als sich. Und wenn dannenherv mangegen solche Leute wieder die verdammteGelbst-jkuebe redet, muß es nicht anders verstan-den werden, als daß man hiermit sich mehr nachihrer Einbildung und Vorhaben, als nach deeSache selbst accominoäire.

84- Ich glaube wohl, daß dir dieser Satz et-was harte und unförmlich vorkomme; Dennsprichst du, wie solle ein wollüstiger, Geldvnd Ehrgeiziger nicht sich selbst mehr als allesandere lieben, vpffert er doch seiner Wollust,Geld-und Ehr-Geitze alle andere Menschen, undalles was er hat, auf?

Aber das ist es eben, was ich gesagt habe,daß sich solche Leute einbilden, sie lieben sich selbstam meisten, weil sie ihre Wollust, Geld - unvChr-Geitz lieben, da doch diese S.aster offen?bahrlich in Liebe anderer Ding bestehen-Ein lVoUSsiiger liebet nicht sich, sondern

sein«