Druckschrift 
Christian Thomasens Von Der Kunst Vernünftig und Tugendhaft zu lieben : Als dem eintzigen Mittel zu einem glückseeligen, galanten und vergnügten Leben zugelangen, Oder: Einleitung Der Sitten-Lehre ; Nebst einer Vorrede, In welcher unter andern der Verfertiger der curiösen Monatlichen Unterredungen freundlich erinnert und gebeten wird, von Sachen, die er nicht verstehet, nicht zu urtheilen, und den Autoren dermahleins in Ruhe zu lassen
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

GlückseetteMt des Mensche,?. 97

ge Stücke der Gemüths-Ruhe seyn odernicht, und welche unter jenen entweder die Ge-müths-Riche Sem VOesen oder der VdllSdm-menheit nach bestätigen.

92 Was erstlich das Reichthum anlanget,so weiset baldAnfangs die Beschreibung desselbi-gen, weil es nichts anders als ein Überfluß desVermögens ist, daß solches ein blosser Zierat!)und kein wesentliches Stücke derGemülhs-Ruhesey. Was dir üderflüßig ist, damit kanst du an,dern deine Liebe bezeigen, und je grösser der Über-fluß ist, je mehr und an mchrern kanst du dich gut-thätig erweisen, und so weil ist Reichthum ei»Zierath der grvstcn Glückseligkeit.

9z. Hast du aber diesen Überfluß nicht, fl;darffst du deswegen in deinem Gemüche nicht un-ruhig seyn, wenn du nur genug vor dich hast.Denn hast du keinem Überfluß oder Reichthum,so hast du auch desto weniger Sorge, wie du die-sen Überfluß anwenden sollest: Und wenn dugleich nsch so arm bist, kanst du andern Men-schen doch durch deinen Einrath und Exempel ihreIrrthümer benehmen, und sie von denen Irrwe-gen abZeiten, welcher Dienst ja so gut und nochviel besser ist, als wenn man einem Dürfftigeumit Gelde und Reichthum aushilft.

94- Und also siehest du, daß das Armuth nichtsböses sey, weil es nur ein Mangel des Über-flusses ist. Wollest du gleich sagen, daß?ochdasäusserste Armuth ein Übel sey, roeil dassclbige

tL. G in