Antiquarischer Briefe ein und zwanzigster.
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und derjenige Künstler, der einen ungleich härtern Stein bear-beitet, findet ungleich grössere Schwierigkeiten zu übersteigen, alsder, welcher einen geschmeidigern unter Händen hat. Aber dieüb erstiegene Schwierigkeit machte bey den Alten keine Schönheitmehr, und ihren Künstlern kam es nie ein, sich muthwilligSchwierigkeiten zu schaffen, um sie überwinden zu können.
Wenn ein Natter zwölfmal mehr Zeit braucht, einen Kopfin einen Diamant zu schneiden, als in einen andern orienta-lischen Stein: warum soll Natter seiner Zeit und seiner Ehreso fcind seyn, und für zwölf Kunstwerke nur eins machen?Was hilft es ihn, das dieses eine von Diamant ist? Der Dia-mant hat nicht gemacht, daß seiner Kunst ein einziger Schwungsanfter, ein einziger Druck kräftiger gerathen: aber die Kunsthat den Diamant verhunzt. Der Diamant hat von seiner Masse,hat von seinem Feuer verloren: und warum? wozu? Eben dieKunst, die uns diesen Verlust kaum kann vergessen machen,würde jeden geringern Stein in einen Diamant veredelt haben.
Und so wollte ich sicher annehmen, daß überall, wo in denalten Schriftstellern eines besonders kostbaren Ringes oder Stei-nes gedacht wird, ein Stein ohne Figuren zu verstehen sey.Bon dem, zu dessen frcywilligcm Verluste sich Polykratcs ent-schloß, um die neidische Gottheit zu versöhnen, die sein unun-terbrochncs Glücke leicht beleidigen dürfte, sagt es Plinius aus-drücklich; ja seine Worte l^") scheinen so gar anzudeuten, daßdieser Stein nicht einmal geschliffen, sondern völlig so gewesen,wie er aus der Hand der Natur gekommen.
Hingegen bin ich völlig der Meinung, daß, wenn Eupolis den Cyrcnäern nachsagte, (^«) daß der geringste von ihneneinen Siegelring trage, der zehn Minen koste, dieser Vorwurfder Verschwendung mehr auf die zu theuren Steine gieng, welchesie ungcschnittcn in ihren Ringen trugen, oder geschnitten zuihren Siegeln mißbrauchten, als auf den zu grossen Lohn, densie dem Künstler für den Schnitt entrichteten.
(°) ?rok. XVI,
(°°) Polxcr-Uis xemms, quiv aemoiittr-ittir, MUi-Us mlitelk-iue oft, I.i>>r.XXXV. leet. 4.
(°"°) ^elianus Ilitt. v»r. III). XII. eitp. 30.