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Antiquarischer Briefe zwey und zwanzigster.
Zwey und zwanzigster Brief.
Allerdings ist cs ganz ohne Grund, wenn Hr. Klotz in demRinge, welcher die Feindschaft zwischen dem Capio und DrusuS veranlaßte, so wie in dem Opale, der dem Nonius die Ver-bannung zuzog, geschnittene Steine finden will. (°) Aber überden Ring des Polykrates, meinen Sie, dürste dem Plinius we-niger zu glauben seyn, als dem Hcrodotus, und Strabo undPansanias und Tzctzcs, die nicht allein ausdrücklich sagen, daßder Stein desselben ein geschnittener Stein gewesen, sondern auchden Meister nennen, der ihn geschnitten habe.
Und doch halte ich es lieber mit dem Plinius! Nicht zwardeswegen, weil Plinius sagt, daß dieser Stein des Polykrates,welcher ein Sardonyx gewesen, noch bey seiner Zeit zu Rom ,in dem Tempel der Concordia, gezeigt worden, und er sichalso mit seinen eigenen Augen belehren können; denn er selbstsagt das, weil er cs sagen hören, nicht weil er es wirklichglaubtsondern ich gründe mich auf etwas anders. Aufden Künstler nehmlich, der ihn geschnitten haben soll.
Theodorus von Samos wird als dieser gencnnt. Nunaber sagt das ganze Alterthum, daß dieser Theodorus in Me-tall gearbeitet, und zugleich ein Baumeister gewesen. Ware cssast nicht cin wenig zu viel, ihn auch zum Steinschneider zumachen? Und wie, wenn der Ring, von dem die Rede ist,
(°) S. 21.
(°°) Loraon^cliein, heisscn die Worte des Plinius, e.im xemmüm luise«consliU: oN«n>Zlli»<lue Köm»!, 5i ereiliiiius, koncorilia: lleluliro, vornii mireo^UAukli llono invluksm, noviMmum nrope lucum tot prseliUi« »IXinviUvm.Dieses giebt unser deutscher Uebcrsctzcr: „und man zeigt ihn, wo wirs glau-„bcn wollen, zu Rom in der Kapelle der Eintracht, wo er durch das Ge-schenk der Kavscriun in ein goldncs Horn eingeschlossen ist, und da ihm so„viele vorgezogen find, fast den letzten Ort behauptet." Ich zweifle, ob mandaraus verstellt, was Wnius sagen wollen, und was er für ein goldncsHorn gcmeinct, in welchem sich dieser Stein befand. Ich glaube, er meintedas Füllhorn, mit welchem die Göttinn der Eintracht vorgestellet wird. Die-ses war mit Edelsteinen besetzt, unter welchen sich auch der Sardonvr desPolvkralcs, wie man vorgab, befand; aber fast ganz unten, wo er so vielenandern nachstehe» mußte, zum Beweise, wie sehr der Lurus in diesen Kost-barkeiten, seit dc» Zeiten des Polpkrates, gestiegen.