Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
Seite
92
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Antiquarischer Briefe nenn und zwanzigster

Diese Stelle hat Hr. Klotz selbst angeführet; aber wie esscheint blos, um den kindischen Fehler des Harduin aufzumutzen,welcher sich einbildete, daß die bohrenden Instrumente der Stein-schneider erst warm gemacht werden müßten. Hr. Klotz hatsehr Recht, daß unter dem tervor der geschwinde Umlauf desRades zu verstehen.

Also erkennt er doch hier das Rad? Also hat Plinius nichtbehauptet, daß die alten Steinschneider blos mit der Diamant-spitze gearbeitet?

Und gleichwohl soll Plinius , wie Hr. Klotz sagt, die Sachenur halb verstanden haben?

Warum denn nur halb? Hier halb, und dort halb: zweyHälften machen ein Ganzes. Dort gedenkt Plinius der Diamant-spitze; hier des Rades: was will denn Hr. Klotz noch mehr?

Ich wollte wetten, daß es Hr. Klotz sey, der die Sache nurhalb verstehe. Denn sonst hätte er es uns wohl mit klarendürren Worten gesagt, worinn sich Plinius auch hier geirrcthabe.Auch hier, sagt er, vermißt man eine genaue undrichtige KenMniß der Steinschnciderkunst." Wie denn? warumdenn? Mit der Sprache heraus, wenn man tadeln will.

Wenn ihm diese Stelle nicht richtig, nicht genau genugscheinet, so kann es nur daher kommen, daß er gar nicht ein-sieht, was Plinius sagen will, daß er nicht einmal die Aus-drücke des Plinius begreift. Besonders muß er gar nicht wis-sen, was Plinius unter dem stumpfen Eisen, lerro retulo,verstehet, welches über gewisse Edelsteine mehr Gewalt habe,als das scharfe Eisen,

Denn wenn er es wüßte: würde er den Gebrauch des Ra-des in ihm nicht noch weit deutlicher gesehen haben, als in demteredrarum tervor?

Zch bilde mir ein, den ganzen Vorrath der Werkzeuge deralten Steinschneider in dieser Stelle des Plinius zu finden. Zchglaube sogar eine ganze Gattung darunter zu bemerken, vonwelcher die neuern Steinschneider gar nichts wissen.

Doch ich will mich nicht verleiten lassen, mit dieser Mei-nung eher hervor zu treten, als bis ich sie durch Versuche be-stättigen kann.