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Erfindung der Schreibekunst. 15

Bei den öfteren göttlichen Erscheinungen indessen und der lan-gen Lebenszeit der ersten Menschen i) war eine mündlicheFortpflanzung derselben um so leichter möglich, als dieselbesich zugleich an gewisse rohe Denkmäler, durch die man vorder Erfindung der Schreibekunst das Andenken wichtiger Be-gebenheiten zu erhalten suchte, knüpfen und dadurch unterstütztwerden konnte. Auch haben so manche des Schreibens un-kundige Völkerschaften des Alterthums: dieJndier,2) Thrazier»)und mehrere andere ihre Lehren blos durch mündliche Ueber-lieferung bis in ziemlich späte Zeiten fortgepflanzt, wodurchobige Behauptung augenscheinlich widerlegt wird.

§. 9.

Daß indessen die Buchstabenschrift schon einige Zeit vorMoses erfunden wnrde und diesem bekannt gewesen sey, er-sehen wir aus dem Buche Erodus, wo es, »och bevor er diezwei Tafeln empfangen hat, heißt: Kap. 17, 14.Und derHerr sprach zu Mose : Schreibe das zum Gedächtnißin ein Buch :c." und Kap. 24, 4.Da schrieb Mose alle Worte des Herrn ic" Die Erfindung der Buch-stabenschrift, muß demnach in den Zeitraum zwischen N oahund Moses sallen; nur in dieser Periode lenken vorzüglichdie Phönizier und die Aegypter unsere Aufmerksamkeitauf sich. Beiden Völkern, den cultivirtesten jener Zeit, wirdanscheinend mit gleichem Rechte diese wichtige Erfindung zu-geschrieben, von einigen Andern aber die Ehre derselben denAethiopiern, Babyloniern und Assyriern zugedacht. Lucan^)und Plinius5) sprechen sür die Phönizier, Tacitus ^)

Z.) 1 Mose 5.

2-) Strali» kenxi'. I.. V. Baseler Ausg. S. 673.

3. ) ^olian v-lr. Ilikt. I,. Vlll. <:. k, Züricher Auög. S. 445.

4. ) ?!i -irs-ll. 1. III. p. zz.

5. ) Iiist. Niit, I.. V. <?. z»,

6. ) I'acit. änna!. XI, 11.