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Erstes Buch. Fünfter Abschnitt.
Für die ältesten Kupferstiche ohne Jahreszahl hält mandiejenigen, deren Meister sich des Zeichens I? 8 bedienten,worauf Jene folgen, die mit L X >8 bezeichnet sind, dieSaudrart dem Bartel Schön, einem Brndcr des MartinSchön zueignen will. Die gewissere Epoche der Knpfer-stechcrkunst in Deutschland beginnt mit dem Jahre >1440. Indem Buche der ältesten Kupferstiche in der SilberradischenKunstsammlung findet sich eine Passion von 11 Blättern,die v. Murr für die älteste Seite der Kupferblättcr erkennt.Auf einem Blatte ist die Kreuzigung Christi vorgestellt. DieFiguren sind erbärmlich gezeichnet, nach Goldschmidtsart grobgestochen und gehämmert. In Paul Bchaimbs desJüngeren Verzeichnisse vom Jahr 1618 über seine anser-lesene Sammlung von Holzschnitten und Kupferstichen, wirddieser Passion mit den Worten gedacht; „eilf Stück eineruralten Passion von geschrotener Arbeit mit derJahrzahl 1440, hoch 8^."— Der älteste Kupferstichnach diesen ist derjenige, welcher Sandrart unter den al-ten Kupferstichen x»s'. 220 beschreibt. Er stellt einen altenMann und ein junges Mädchen vor, und ist mit der Jahres-zahl 1455 und mit bezeichnet. Der Meister ist eben sowenig, als der des vorigen bekannt. Einige behaupten aber,das Zeichen bedeute Hans Schäufelein . 2) Von einemebenfalls unbekannten deutschen Meister, der seiue Werke mitü. K, bezeichnete, besitzen wir über 120 Blätter, und mit deraufgezeichneten Jahreszahl 1466 den bekannten Kupferstich:die heilige Maria zu Einsiedel. Alle zeigen in derFührung des Grabstichels, in der Reinheit des Abdrucks undin der Schönheit der Schwärze, eine Vollkommenheit, welcheBewunderung erregt und beweist, daß dieser deutsche Meisterseine Kunst schon früher getrieben habe. °) — Ein Kunst-
1. ) Nachrichten von Künstlern u. Kunstsachen. 1768. Ir Thl. S. 278.
2. ) Mg. Lit. Ztg. 1797. 5i. 143. S. 36Z.
3. ) Schaab a. a. O. sr Bd. 3Z9.