56 Erstes Kapitel. Zahlung, Geld und Metall.
Gehalt wie die Guldenstücke, also stimmte der spezifische Ge-halt mit der damaligen Norm überein; also waren auch dieKrontaler damals bares Geld.
In Norddeutschland gab es im Jahr 1871 zweierlei Taler:ältere, vor 1857 geprägte und neuere, nach 1857 geprägte. Dieälteren hatten einen etwas höheren spezifischen Gehalt, weil14 Stück aus der feinen Mark (der damaligen Gewichtseinheit)geprägt waren, was nicht völlig mit dem spezifischen Gehalt derneueren Taler (30 Stück aus dem Pfund fein) übereinstimmte.
Waren nun diese älteren Taler im Jahr 1871 bares Geld?
Sie waren es; denn der spezifische Gehalt dieser älterenTaler war zwar nicht gleich, aber er war nicht kleiner, als esder Norm von 1857 entsprach.
Für die Chartaltheorie ist diese etwas verwickelte Sacheleicht zu erledigen — während die metallistische Theorie dabeiganz ratlos bleibt: denn wie kann nach ihr ein schwerer Talerdasselbe gelten wie ein leichter? Für uns aber ist die Geltungbegrifflich unabhängig vom Gehalt.
Das hvlische Metall bedarf, wie wir gesehen haben, einerNorm für die Verwandlung in Geld; daß aber diese Norm imLaufe der Zeit unveränderlich sei, das haben wir nicht gefordert;man kann es wünschen; wird aber dieser Wunsch nicht erfüllt,so bleibt das Metall noch immer hylisch, wenn auch mit andererNorm. Im Laufe der Jahrhunderte, so lange zum Beispiel in Eng-land das Silber hnlisches Metall war, hat sich die Norm bis in dieZeiten der Königin Elisabeth immer verändert: es wurden immermehr Pfennige aus der Gewichtseinheit des hvlischen Metalleshergestellt. So lange die Veränderung in dem Sinne erfolgte,daß die neuen Pfennige bei gleicher Geltung leichter wurden,hören die jeweilig älteren Pfennige nicht auf, bares Geld zusein (obgleich sie der kluge Kaufmann nicht zum Zahlen benützte);denn sie erfüllen noch.immer die Bedingungen der Definition:ihr spezifischer Gehalt entspricht noch der Norm, insofern ernicht kleiner ist, als die spätere Norm verlangt, denn erist ja größer.