§ 9. Agio bei akzessorischem Gelde.
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Wer etwa fragen wollte, in welcher von beiden Geldartenwehr Silber enthalten ist, der wird allerdings nur die Ant-wort hören: im Silbergulden. Aber davon ist ja nicht dieRede. Der Silbergulden kann also, als Ware betrachtet, inunserem Sinne unterwertig sein (negatives Agio haben), währender, als Zahlungsmittel betrachtet, ebensoviel gilt als ein Papier-gulden.
Daß der Silbergulden einmal valutarisch gewesen ist (1858),und daß viele Leute ihn gern in diese Stellung wieder eingesetztsehen wollten, das ist eine rechtshistorische und lytropolitischeSache, die hier nichts bedeutet. Abgesetzte Könige sind keineKönige mehr. ^
Das Agio akzessorischer Geldarten, sei es positiv oder negativ,ist eine merkantile Erscheinung; daher wechselt auch die Höhedesselben unaufhörlich, je nach der Lage des Marktes. So istes nicht wunderbar, wenn das negative Agio, welches unserenTalern jetzt (1903) anhaftet, bald größer, bald kleiner ist: jenachdem der Preis des Metalles Silber, den mir bekanntlichnicht regeln, niedriger oder höher ist. Freilich bleibt dies Agioverborgen, da niemand so töricht ist, Taler als Ware zu ver-kaufen, aber es ist doch da. Stiege der Preis des Silberswieder auf die Höhe, die er im Jahre 1871 hatte, so wäre dasnegative Agio beseitigt, ohne daß wir in unserer Geldverfassungauch nur die geringste Maßregel getroffen hätten. Gesetzt, derSilberpreis stiege noch höher, so erhielten die Taler ein positivesAgio, und dies würde grell in die Erscheinung treten; es kämedann vielleicht ein Preisstand, bei welchem sogar das negativeAgio unserer Reichssilbermünzen verschwände (sie sind leichterausgebracht als die Taler). Solche Vorgänge sind reinwegFolgen der Änderungen auf dem Silbermarkte und sind auchstets richtig beurteilt worden.
Ganz analog verhält es sich mit dem positiven Agio beiakzessorischen Geldarten. Die Höhe desselben hängt ebenfalls