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viertes Rapitel, Übersicht nach Staaten.
geld, nämlich das goldene, geben solle, der muß die hinkendeWährung als eine Unvollkommenheit betrachten, wie es diemeisten Leute tun.
Wer aber als Ziel der Reform betrachtet, daß wir die Gold-währung im platischen, genetischen und dromischen Sinne durch-führen, dem ist das Fortbestehen des silbernen Kurantgeldes,also des Talers, völlig gleichgültig, vorausgesetzt, daß demTalergelde eine akzessorische Stellung gegeben werde. Dies aberwar zunächst (1871) noch nicht geschehen.
Also nicht im Weiterbestehen des Talers als Kurantgeldliegt die Unvollkommenheit der Reform; sondern in der ver-säumten Maßregel, den Taler akzessorisch zu machen; darunterist aber nicht notwendig zu verstehen, daß man ihm die Ver-fassung der Scheidemünze hätte geben müssen, obgleich dies aus-gereicht hätte; notwendig wäre nur gewesen, die Aufdrängbarkeitdes Talers im apozentrischen Verkehr zu beseitigen — und soist es auf administrativem Wege 1876 gemacht worden.
Aber verweilen wir noch einen Augenblick bei der Zeit von1871 bis 1876.
Solange das Talergeld valutarisch behandelt wurde, wardas neue Goldgeld, trotz aller guten Absichten für die Zukunft,akzessorisch; als solches konnte es aber sehr wohl ein Agio er-halten, denn diese Erscheinung tritt bei akzessorischem 'Geldeauf und zwar dann, wenn dessen platische Verwendung vorteil-hafter ist als die lntrische. Geld mit positivem Agio aber ver-schwindet aus dem Verkehr. Unsere Reichsregierung ließ alsostets neues Goldgeld prägen unter Umständen, welche es denkbarmachten, daß dies neue Geld sofort als Ware behandelt undaus dem Verkehr getrieben werde — weil das neue goldeneGeld akzessorische Stellung hatte.
In der Tat trat dies im Jahre 1874 ein. Damals kostetebei uns das Pfund Gold, in Talern bezahlt, nicht 1395 Mark,sondern mehr und zwar bis zu 1410 Mark. Dabei ist nichtsRätselhaftes. Unbegreiflich wäre nur, wenn das Pfund Gold,bei der damaligen Vollwichtigkeit des Kronengeldes, 1410 Mark