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in Kronen gekostet hätte. Dies aber war ja nicht der Fall; eskostete 1410 Mark in Talern .
Mithin hatte damals das Kronengeld — ein kleines Agiound wurde ausgeführt! Die Leute wunderten sich darüber, daes doch Kurantgeld sei. Aber nicht darauf kommt es an. Esmar eben noch nicht valutarisches Geld geworden. Dieser Aus-druck, unbekannt wie der zugrunde liegende Begriff, fehlte nochund wurde durch einen Schwall von Worten ersetzt.
Sogar die Quantitätstheorie wurde und wird noch in Be-wegung gesetzt, um jene Erscheinung zu erklären. Das neueGoldgeld, zum Talergelde hinzutretend, soll eine Überfülle anGeld erzeugt haben, so daß es im Kurse gegen englisches Geldhabe sinken müssen! Nicht aber die Vermehrung der Geldmengean sich ist wirksam; sondern die einsichtslose Verwendung derGeldarten im Zahlungsverkehr, genauer die Versäumnis, dasGoldgeld valutarisch zu machen.
Man sieht es ja an der Maßregel, welche die Heilungbrachte. Schon 1875, sagt E. Nasse, war die preußische Bank „soverständig", auf Verlangen in Kronenstücken zu zahlen (Schriftendes Vereins für Sozialpolitik Bd. XI, 1875, Seite 212). Undim Jahre 1876 ging die Reichsbank zu der Praxis über das Gold-geld valutarisch zu behandeln und alle akzessorischen Geldarten aufVerlangen des Inhabers in valutarisches Geld umzuwechseln, alsoauch Taler gegen Kronengeld.
Sofort verschwand der hohe Preis des Goldes und mitihm das Agio des Kronengeldes. „Verständig" ist die Reichs-bank damals gewesen, weil sie aus Instinkt das tat, was damalskeine Theorie mit einfachen Worten zu sagen wußte. Bei dieserÜbung ist man geblieben, und zwar, wie schon erwähnt, ohnedaß die Gesetzgebung es erfordert, was zweifellos eine Lücke ist,aber für den Verkehr ist die freiwillige Übung ausreichend. —
Die ganze Geldreform ist bei uns in unklarem Tasten be-gonnen und durchgeführt worden. Das wahre Verdienst gebührtden Praktikern, die stets Auswege fanden, um die chrysoplatischeund chrvsodromische Währung durchzusetzen, während der Gesetz-