Drittes Kapitel.
langten, Leute, welche die Sachen besser verstehen wollten, alsWelcker und Bassermann, Leute endlich, die nicht bloß schrieen, alssie voraus wußten, daß es nichts helfen würde, sondern — es istschauerlich zu hören — die sogar schrieen, als sie erwarten konnten,durchzudringeu. Schrecken und Unwille, unter allen Toastbringern!Sie erhoben sich, wie Ein Mann, die verwegenen Menschen zuverwünschen, die das Ding mit der Freiheit und Gleichheit soheillos ernst genommen hatten. Einen Augenblick schien dieseStimmung obenan zu schwimmen, und der Zustand, der darausgeboren wurde, war der jämmerlichste, den man sich denken kann.Man hatte das alte Regiment entwaffnet und erschrak, als mandie Verlegenheit eines Sieges kommen sah. Das Alte und dasNeue guckten verdutzt einander an, als wollten sie sagen:wären wir mir beide daheim geblieben: es ward wörtlich die schöneGeschichte:
Zwei Memmen balgten sich: Der eine wich im Schrecken
So lang zurück, bis er an einer Mauer stand.
„Ha!" dacht' der andere, „die verfluchte Wand!
Nun ist es Zeit, die Fuchtel einzustecken."
Es war zum Verzweifeln, wie es so unheimlich gedrückt unterdeu Guteu, und so lant unter den Furchtsamen zuging. DieSache ging so weit, daß sie sogar die Stimme gegen Zitz erhebenwollten. Aber da war gerade das Maß voll, nnd zu rechter Zeitkam das indirekte Wahlgesetz, dieser Bastard, welchen der altePatentliberalismus mit der Monarchie von Gottes Gnaden erzeugthat. Man sah, daß es am Ende doch ein blöder Narrenstreichwäre, den Abgeordneten Zitz dem Minister Gagern zu opsern.Kanni war dieser Gedanke einmal wieder an das Licht gekommen,so fiel es den Leuten wie Schuppen von den Augen, es frente sich,so zn sagen, alles, seiner natürlichen Gesinnung wieder Laus lassenzn können, nnd seit zweimal 24 Stunden geht unsere Stadt wiederdahin stolzen Hauptes. Huldigung auf Huldigung wurde dem vouDarmstadt zurückgekehrten Zitz gebracht. Eine Adresse mit4000 Unterschriften wurde ihm überreicht, er wurde zum Oberstender Bürgergarde erwählt, und gestern mittag nm 12 Uhrsammelten sich die Nationalgarde, die Turner, der Arbeitervereinauf dem Schloßplatz, uud zogeu von da mit Fahnen undklingendem Spiel an der Wohnung von Zitz worüber, der vonseinem Fenster aus die doiiueruden Zurnfe der Defilierendenempfing. Nachmittags um 3 Uhr große Bürgerverfammlnng imHof des kurfürstlichen Schlosses. Über 2l)0v Menschen in demgroßen rings von den hohen Schloßgebänden umschlossenen Ranm,von der Sonne bestrahlt, vou geputzten Männern und Franen auf