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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
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Journalist und Volksredner.

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den Fenstern und Balkönen umgeben, in der Mitte eine aus rohenBrettern errichtete Rednerbühne, die aufmerksamste Stille, dieschönste Ordnung, es werden noch wenig solche wahrhaft schönenVolksversammlungen gehalten worden sein. Als die junge Gardeder Republik , die Turner, einmarschiert waren und sich in Reihuud Glied zur äußersten Linken der Rednerbühne aufgestellt hatten,begannen die Verhandlungen. Strecker leitete sie. Hestermann,Mitglied des Bürgerkomitees, las das von demselben angenommeneund früher von uus mitgeteilte Programm vor und erklärte, erwerde darüber abstimmen lassen, ob die Versammlung mit diesemProgramm einig gehe. Ein Redner der Name ist uns leidernicht bekannt war der Ansicht, man solle sich über die Ver-fassung Deutschlands gar nicht erklären, sondern warten, was dieNationalversammlung beschließen werde. Bamberger, der nachihm auftrat, begann damit, daß er diese Ansicht bekämpfte.Wenn alle Deutschen so zusammenkommen könnten, wie dieeben Gegenwärtigen, so brauchte man gewiß die Versammlung inFrankfurt nicht. Diese werde also bloß ein Ersatz sein sür denallgemeinen Ausspruch des Volkes, sie sei uur da, seinen Willenzu verkünden, und nicht das Volk, um den ihrigen zu hören. Siealso habe aufzumerken, was das Volk verlange, und deswegen seimau heute versammelt, nm sie von unserer Seite das wissen zulassen. Er wolle also wohl einen Ausspruch über die Wünschedes Volkes heute herbeiführen. Er sei mit den ersten 12 Punktendes Programms einverstanden, wie wohl alle, allein der dreizehnte,welcher von der wünschenswerten Regierungsform sür Deutschland spräche und diese nur durch die BestimmungdemokratischeZentralregierung und naturgemäßere Einteilung Deutschlands "bezeichne, sei ihm nicht deutlich genug fürs Volk und nichtbindend genng fürs Komitee. Er frage, ob man noch länger38 deutsche Staaten uud 34 Fürsten haben wolle. Er frageweiter, ob, wenn dies nicht der Fall sei, man einen oder mehrerekonstitutionelle Monarchen für nötig halte, d. h. solche, deren voll-kommenste Muster Viktoria von England, Leopold von Belgien nnd Otto von Griechenland seien? Leute, die nichts gelten, aberviel Geld verzehren sollten? Er frage, ob das deutsche Volk sürnötig halte, eine Zivilliste an seine Spitze zu stellen? Was manaber auch immer deuke, jedenfalls niöge man sich deutlich undklar im Programm fassen, und er beantrage eine entschiedeneFassung des Art. 13. Die Versammlung änßerte bedeutendeUebereinstimmung mit diesem Verlangen. Götz, Student, dernachfolgte, hielt eine knrze, feurige, geistreiche Anrede. Er warfden bestehenden Regiernngen die schimpfliche Niederlage in