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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
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Journalist und Volksredner.

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an der richtigen Auffassung, als an der sichere» Mehrheit Be-denken zu haben, und stellte deshalb die weitere Frage, obBambergers Antrag, den Art. 13 bestimmter zu fassen, angenommenwerde. Mindestens neun Zehntheile aller Hände erhoben sichdafür. Bamberger erklärte nun, es habe sich die Meinung aus-gesprochen, daß die beiden letzten Abstimmungen unverträglich miteinander seien, man könne das Programm nicht mehr abändern,nachdem man es ganz angenommen habe. Allein wenn das wahrsei, so beweise das nichts, als daß die erste Abstimmung nicht dervollständige Ausdruck der Meinungen gewesen sei. Hier handelees sich nicht um Formalitäten, sondern um die Erkeuuuug desVolkswilleus, und diese habe sich bei der letzten Abstimmung vielunzweideutiger ausgesprochen. Er halte also dafür, daß es ent-schieden sei, der Art. 13 müsse bestimmter gefaßt werden. Nun-mehr frage sich: wie? Vorhin sei die Meinung geäußert worden,es sei die Form der Versassung, ob Monarchie oder Republik ,mehr oder weuiger gleichgültig, wenn nur die Sache da sei. Erglaube, dies sei ein jetzt viel mißbrauchter Satz. Die Form seisehr wesentlich, um den Inhalt zu sichern, und durch die schlechteForm sei man immer um den guten Inhalt betrogen worden.Es sei nicht genug, den Fürsten gute Grundsätze mit ans die Weltzu geben, man müsse ihnen unmöglich machen, diese Grundsätze zuumgehen. Die Erfahrung habe aber gezeigt, daß so lange keineSicherheit da wäre, daß ein Fürst seine Stellung nicht mißbrauche,als überhaupt ein Fürst da wäre. Begreifen könne er nicht, wieman von der republikanischen Monarchie reden möge angesichtsdes eben verjagten Lndwig Philipp. Anch dieser habe sich einstangekündigt als der Diener des Volkes nnd nach 18 Jahren,während Frankreich verdorben, sei er vertrieben worden. Ob etwajemand hier sei, der das bedanre. (Nein! Nein!) Wie man jetzthier stehe, so habe das französische Volk 1830 vor dem Stadthansevon Paris gestanden, und Lasayette an der Seite Ludwig Philippshabe leichtgläubiger Weise die konstitutionelle Monarchie als diebeste der Republiken" vorgeschlagen. Ob die Anwesenden Lusthätten, dasselbe Experiment uoch einmal durchzumachen. (Nein!)So beantrage er also, daß iu das Programm die Verwerfung derMonarchie aufgenommen werde. Zitz: er sehe es wohl, wie alleHerzen der Republik entgegenschlagen, und wie mau nicht längerwählen und wägen, sondern sich frei aussprechen wolle. Nichtskönne mehr mit seiner eigenen Ansicht übereinstimmen. Er glaubeaber, weil hier kanm eine Stadt, viel weniger ein Staat vereinigtsei, so habe man nicht das Recht, eine bestimmte Staatsform alsdie notwendige zu bezeichnen. Nur als Anhänger des Grnnd-

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