90 Drittes Kapitel.
scheinung und manches erinnerte noch in den sechsziger Jahrenan diese Gestalten. In dem Landstädtchen Ober-Jugelheim undseiner nächsten Umgebung hatten sie sich, vielleicht auch dankder von Mohr gegebenen Richtnng, ziemlich zahlreich zusammen-gefunden, besonders die Ärzte lieferten einige wackere Mit-arbeiter, daneben Ökonome, Notare, Pfarrer, Gerichtsbeamte.Es bildete sich ein Kern daraus, welcher gerade diesen Winkeldes Ländchens zu einem Stammsitz eines robusten liberalenGeistes machte, der auch heute noch nicht ausgestorben ist, wenn-schon die gegen Ende der siebenziger Jahre hineingekommeneSpaltung „für oder gegen Bismarck" störend eingegriffen hat.
Als ich nach der Schaffung des Norddeutschen Bundes meinepolitische Thätigkeit ans dem lieben alten Boden wieder aufnahm,wachten alle die schönen Reminiszenzen jener AchtundvierzigerZeit wieder auf, und die Nachfolger des inzwischen verstorbenenPräsidenten Mohr wurden meine besten Bundesgenossen. Nochwill ich bemerken, daß diesem von solchen Ansehen getragenenMann jede Beredsamkeit abging. Es war peinlich, seinen stockendenund ungeordneten Vortrag anzuhören. In der Paulskirche hater uie gesprochen.
Im Lauf der nächsten Wochen kam ich natürlich persönlichden Abgeordneten der Linken näher. Ich will die nennen, zn denensich meine Beziehungen mehr oder weniger bleibend oder intim ge-stalteten. Unter den älteren waren es besonders Johann Jacoby nndArnold Rüge. Beide sind bekannte Figuren aus jener Zeit und derihr vorangegangenen Periode. Jaeobys Bekanntschaft hatte ichzur Zeit des Vorparlaments gemacht. Er ward dann Mitglieddes Fünfziger-Ausschusses behufs Berufung der Natioual-Ver-fammlung und blieb in Frankfurt , bis er Ende Juni in diePreußische Nationalversammlung in Berlin eintrat. Unser Ver-hältnis befestigte sich besonders dadurch, daß ich in seinem Auf-trag die parlamentarische Berichterstattung für die „KönigsbergerHartung'sche Zeitung" neben der für meine Mainzer übernahm.
Es umgab ihn die Glorie des großen Eindrucks, welchen vorJahren (1841) seine Vier Fragen eines Ostpreußen auf ganzDeutschland gemacht hatten, umsomehr als auch unablässige