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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Paris .

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scheiden. Er gehört zu den angenehmsten Fignren in meinerErinnerung an Begegnung mit Künstlern.

Dors, durch seine Illustrationen großen Stils auch in Deutsch-land populär, war ein kleines, zierliches, elegantes Männchen, daseinen unbedeutenden Eindruck machte. Der berühmte Meissonier,mit dem ich bei Ricard oft zusammentraf, war ein knrzer, unter-setzter, ordinär auftretender Schreier und Lärmer. Nichts könnteihn mehr überrascht haben, als daß der Deutsche Kaiser Wilhelm II. nach seinem Tode seiner Wittwe eine tiefgefühlte Beileidsbezeugungtelegraphierte; vou Gegeuliebe war da keine Spur. Der Malerder uapoleonischen Schlachten war immer exklusiv französisch undseit dem Krieg ein wütender Deutschenhasser. In der unermüd-lichen Sorgfalt, womit er sich auf das Detailstudium in naturs.dw von ihm wiederzugebenden Gegenstände konzentrierte, hatteer gemeinsames mit Menzel, von dem er sich aber durch deuSinn für Schönheit uud Grazie unterschied.

Als Menzel nach dem großen Krieg einen kurzen Besuch inParis machte, brachte man die beiden zusammen, uud es sollsehr possierlich gewesen sein, wie sie sich unterhielten, der eineohne ein Wort deutsch und der andere ohne einen Satz fran-zösisch zu können.

Von der Schule vou Foutainebleau kannte ich nur Frau?ais,einer der Ersten zweiter Größe, ein ernster, natürlicher, einfacherMann von angenehmen Formen. Der Verherrlicher des venezia-nischen Meeresspiegels, Ziem, den die Franzosen mit getrenntemi und s anssprechen, giebt in seinem breitschultrigen behaglichenÄußeren einen Hinweis auf deutsche Abstammung, die im Namenliegt. Er ist übrigens in Beanne in Burgund geboren und stehtsomit von selbst auf der Scheidelinie der beiden Rassen. Er warein lustiger Kamerad mit dem Bummelwitz des Ateliers; übrigenslebt er znr Stnnde, da ich dies schreibe, noch und malt auch uochmit seinen jetzt sünfundsiebenzig Jahren.

Um die Liste zu vervollständigen, sei erwähnt, daß ich erstnach dem Krieg mit dem großen Historienmaler Gsröme bekanntwurde zur Zeit, als er sich ueben der Malerei mit Eifer und Er-folg auf die Skulptur verlegte. Er ist eine der schönsten, ritter-lichsten Erscheinungen, die ich jemals zu Gesicht bekam; in gewisser