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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Siebentes Kapitel.

vor sich hinträllert, und ihr alles anpaßt, was ihm in den Wegläuft. Da begegnet er einem Freund, der ihm zn Tode betrübtmitteilt, daß seine Fran im Sterben liegt, uud sofort fällt er,tief mitfühlend ihm die Hand drückend, mit seiner lustigen Melodieein: clssolg-nt, 6ösolant, Zssolkmt, ässolant. Ich glaubte, es warein Tanzlied aus AubersMaskenball". Aber auch eruste Aceeuteenthielt das Repertoire, z. B. die Erscheinung eines armen Un-glücklichen bei einem Feste Belsazars, mit sozialistischen Warnungen.

Eine Figur derselben Art, aber weder von der Berühmtheitnoch von dem Talent Nadauds war ein Anwalt Namens Nouguier,den ich auch bei Rosenhain kennen lernte, und mit dem ich sogarans den Fuß einer muntern Bekanntschaft kam.

Er trug sowohl Lieder eigener Erfindung als solche von andern,besonders von Nadaud, zu seinem uud seiner Freunde, besondersaber zu seinem Vergnügen, in der Gesellschaft vor. Eine heitre,liebenswürdige Figur, dabei ein Rechtsanwalt mit ziemlich guterPraxis. Er lief immer im Frack nnd mit seiner Aktentasche nnterdem Arm einher. So oft ich ihn anf der Straße traf, mußte ichmich mit einer kleinen Ansprache, mit allerhand launigen Einfällenregulieren lassen. Seinem Freunde Rosenhain schrieb er nochnach dem Krieg die treusten, von jeder chauvinistischen Anwandlungfreien Briefe nach Baden.

Endlich muß ich noch eines dritten dieser Kategorie, aller-dings wieder einer anderen Spielart, erwähnen. Es war der HornistVivier, ein Virtuose ersten Ranges auf seinem Instrument. Da-neben war er Spaßmacher von Profession, d. h. nicht des Erwerbswegen, sondern als gesellschaftliches Talent. Er gab keine Liederzum besten, sondern Vorträge, scheinbar improvisierte komischeSzenen. Zu seinen besten gehörte die Schilderung eines Konzertsim Konservatorium der Musik. Dieses genugsam berühmte In-stitut begnügt sich mit einem sehr kleinen Saal, der eben deshalbimmer voll gespickt ist, und in dem zu den nie fehlenden Stamm-gästen zu gehören, eine Art musikalischen Adels verleiht. Da schilderteer nun aufs ergötzlichste, wie dieses auserwählte Publikum durchPositur und Geberden seine eingeweihte Knnstkennerschast an denTag legt. In diesen Burlesken steckte ein gut Teil sehr seinerBeobachtung und Ironie. Zu seinen Lieblingsstückchen gehörte