Mischung von Distinktion nnd Gemeinheit, oder was ich liebermit dem Wort Kanaiüerie bezeichnen möchte. Selbst die Lieb-haberei des Publikums, an solchen Sammelplätzen, die in allenihren Äußerlichkeiten den Stempel der nachlässigen Dürftigkeittragen, im Auszug vornehmer Gesellschaft zu erscheinen, schließt sichder chemischen Zusammensetzung dieser Kunstgeheimnisse an. Esgehört zum ganzen, daß man aus dieser so schönen Bänkelsängereiund ihren armseligen Räumen heraustretend, die Straße ihrerganzen Länge nach von glänzenden Equipagen besetzt findet, dieder Zuhörer warten.
Ich habe in solchen Fällen immer den Eindruck, die Lakaienin den vornehmen Livreen müssen sich wundern und lustig machenüber die großen Herrschaften, die sich an solchen Sachen delektieren.Doch überschätze ich vielleicht auch die Lakaien.
Um das Thema zn erschöpfen, müßte man darauf hinweisen,wie in den vergangenen Jahrhunderten in der Pariser Gesellschaft,besonders in der dem Hofe näher stehenden, die Sitte herrschte,alle Tagesvorgänge in kleinen Spottgedichten, besonders in densogenannten yag.trg,ws, vierzeiligen, zu fixieren. Man könntedie Geschichte Frankreichs , namentlich des siebenzehnten und acht-zehnten Jahrhunderts, ans lauter solchen Tagespoesien zusammen-schreiben. Ich erinnere mich einiger auch aus meiner Zeit. Sodamals, als die Gesellschaft des Lrsclit Nobilisr unter der Leitungder Brüder Psreire in üppigster Blüte stand, ward auf den Herzogvon Galliera, den reichen Genueser, welcher dem Verwaltungsratangehörte, folgendes Sprüchlein in Umlauf gesetzt:
1s Conseil äs8 ?srsirsIvö ^jsllns 8s,Ivaäor*) äsmg,uäk>,
8i KsUisrg. visnt äs (?g>1srsOll 6g,1srs äs Kkllisra.
Unter den Freunden des Hauses Rosenhain war auch einDeutscher, ver sich besonders die Liebhaberei am französischenLied zngelegt hatte, und es uns zuweilen nach Tisch mit einigemFrankfurter Accent vortrug. Es war jener Salomon Strans,der Gatte der Freundin Börnes, geschiedenen Frau Wohl, in
5) Ein jüngeres Mitglied des Verwaltungsrats.