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Siebentes Kapitel.
zweiter Ehe. Sein Duell mit Heine wegen Beleidigung vonBornes Andenken hat ihm alsdann einen Platz in der Litteratur-geschichte verschafft.
Sein Lebeu war dem Andenken Bornes und der Kunstkenner-schaft gewidmet. Seine Frau war zu meiner Zeit schon tot. VonGemälden, älteren wie neueren, verstand er wirklich viel, und mankonnte sich bei Ankäufen seiner Führung gut anvertrauen. Mitdieser ästhetischen Richtung stimmte anscheinend sehr wenig seineäußere Erscheinung, denn er war immer eine recht schmutzige,nachlässige und unappetitliche Person. Merkwürdigerweise ist esmir uoch öfter im Leben begegnet, daß Menschen mit wirklichfeinem Kunstsinn in ähnlicher Weise selbst unästhetisch waren.Sie hätten einen Gang von vielen Stunden nicht gescheut, umirgend eiu schönes Stück zu seheu und den kleinsten Defekt aneinem solchen Gegenstand bemerkt, aber ihre eigene beklexte Wäscheoder Kleidung entging vollständig ihrer Kritik. Der Übergangvom Kunstliebhaber zum Schmierlaps (oder, wie ein schönes Wortmeiner Heimat sagt: Dreckwiwel) liegt vielleicht im Antiquitäten-sammler.
Einer der größten Kunstkenner des damaligen Paris , GustavePlauche, war für denselben Defekt bekannt. Er stand als derästhetische Berichterstatter und Kunstkritiker der lisvus clss äsuxNor>clö8 in hoher Achtung. Man erzählte folgende Geschichte vonihm. Eines Tags erschien er znm Besuch auf dem Landsitz einervornehmen Dame bei Paris . Während der ersten Unterhaltungbemerkte sie mit Schrecken, wie schmutzig seine Hände waren.Sie wandte sich an eiu paar andre, mit ihm gut bekannte Be-sucher, uud frug sie, ob sie es nicht fertig bringen könnten, daß ihrFreund sich die Hände wüsche, ehe mau zu Tisch ginge. DieAufgabe war nicht ganz leicht. -Endlich geriet einer anf die Idee,man wolle die Rede daranf bringen, daß es sehr angenehm wäre,bei der hohen Temperatur vor Tisch eiu Bad zu uehmeu undPlanche zn verführen, eine der mehreren zur Verfügung der Gästestehenden Wannen zu benützen. Gesagt, gethan, der Witz gelang,und unser Planche bekam — scheinbar nebst einigen andren —sein Badezimmer angewiesen. Aber als man sich zu Tisch setzte,bemerkte alle Welt mit Schrecken, daß seine Hände mit Wasser