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keine Berührung gehabt hatten. Wie von ungefähr richtete mandie Frage an ihn, ob er nicht zu den Badenden gehört habe.„Ganz gewiß" gab er zur Antwort, „ich bin sogar lange im Badegewesen, ich habe mich vortrefflich unterhalten, denn ich hatte einsehr schönes Buch zum Leseu mit ins Wasser genommen."
Wie aus den vorausgehenden Schilderungen ersichtlich, zeigtemir das Leben in Paris alsbald ein gar viel freundlicheresGesicht, als alle die Jahre her, die ich in der Fremde verlebthatte. Die Stadt mit ihrem einzigen Liebreiz, den keine andereder Welt auszuweisen hat, that schon das ihrige. Für einen mitihrer Geschichte und Litteratur vertrauten Menschen hat die ersteZeit des Aufenthaltes anch noch das eigentümliche Vergnügenin Bereitschaft, daß er auf Schritt und Tritt sich seines Wissens,seiner guten Vorbereitung srent. Jede größere Straße, jeder Platz,jedes merkwürdige Gebäude spricht mit bekannter Stimme vonallen bekannten Dingen, die man aus der Geschichte oder denRomanen kennt. Sofort ist man orientiert und die Kunst zuleben, welche in dem Verkehr mit der Gesellschaft wie mit Kauf-leuten und Handwerkern freundlich und bequem entgegen kommt,fügt die Annehmlichkeit zum Interessanten. Welch ein Gegensatzgegen das steife, schwerfällige Holland nnd seine abgeschlossenenPhilister, gegen seine Nebel und' seinen grauen Himmel.
Ich hatte noch das besondere Glück, daß der Herbst desJahres 1853 bis tief in den November hinein, der sogenannteLtö äs 1a 8t. Nartin, ganz bezaubernd schön war. Ich erinneremich besonders eines der ersten Sonntage im November, derwirklich einem warmen Sommertage glich. Ich fuhr in einemoffenen Fiaker mit meiner Frau ins Bois de Boulogne .
Damals existierte die jetzige splendide Zufahrt Avenne duBois de Boulogue, ursprünglich de l'Jmpsratrice, noch nicht.Man fnhr aus einem noch ziemlich sandigen, links vom Triumph-bogen nach der Seine zu abschweifenden Weg ins Gehölz hinein.Aber wie blendete uns das Gewimmel dieser eleganten Mengennter diesem strahlenden Himmel! Mit der Zeit gewöhnen sichdie Augen ja an alles, aber ich kann doch sagen, ganz hab ichmich nie dagegen abgestumpft.