manchmal etwas Finanzschmerzen, wenn anch nur vorübergehendund viel weniger akut als Lamartine. Er hatte Vermögen undgroße Einnahmen aus seiner Advokatur, aber auch er lebte aufeinem großen gesellschaftlichen Fuße. Er war eiu großer Musik-liebhaber und juristischer Beirat uud Protektor von Schauspielerinnenund Sängeriuuen, die seinem Salon zur Zierde gereichten.
Er hatte eine merkwürdige Physiognomie. Auf einem unter-setzten, etwas schwammigen Körper mit kurzen Armen und kleinenHänden saß ein ungeheurer Kopf mit dichtem, ganz krausem Neger-haar und einer Negerphysiognomie, eingedrückter Nase, deren Löcherbeinahe nach oben standen, und breitem Munde. Der Totaleindruckder Erscheinung hatte etwas mit der von Anton Rubinstein gemein, nnr war der letztere größer. Crsmieux entstammte einerder jüdischen Ansiedelungen des südlichen Frankreich , von denenauch die Psreire, Salvador, Mirss, Milland u. s. w. herkamen.Ein heißblütiges, phantasiereiches Geschlecht, das sich den demon-strativen Formen und der beweglichen Unternehmungslust dergaseognischen und proven?alischen Landstriche aus natürliche Weiseassimilierte.
Crsmieux war das Urbild des französischen Advokaten inseinem schwungvollen Vortrag und seinen breiten Gestikulationen.Ich hatte Gelegenheit, ihn in einer Angelegenheit meines Hanfes vordem Appellhof plädieren zu hören. Es handelte sich um einebedeutende Summe und eine schwierige Frage. Er machte seineSache ausgezeichnet und gewann sie, offenbar durch seine münd-liche Darstellung, in der die psychologische Seite des Rechtshandelsmit großer Geschicklichkeit in den Vordergrund gerückt war. Ineinem ähnlichen Fall verfuhr der alte Dufaure gerade nach ent-gegengesetzter Methode, den Rechtspunkt mit großer Gelehrsamkeitund Schärfe, in einem äußerst nüchternen Tone mit seiner trockenen,näselnden Stimme abspinnend. Auch dieser Prozeß wurde ge-wonnen, und dieser Sieg machte meinem juristischen Herzen mehrFreude als jener.
Zu den berühmten Klienten des Hauses gehörte auch Meyerbeer,der mit meinem Oheim in verwandtschaftlichem Verhältnis stand.Dessen Tochter hatte Meyerbeers Neffen, den Sohn seines BrudersWilhelm, geheiratet. Sah Ersmienx aus wie ein semitischer
Bambergers Erinnerungen. ZZ