Siebentes Kapitel,
Neger, so konnte man Meyerbeer mit einem semitischen Mohikanervergleichen, mit seinem langen Kopf, den scharf geschnittenenZügen, der kühn hervorragenden Adlernase und den langen,glänzenden Haaren.
Trotzdem er in Paris wie zu Hause war und seinen künst-lerischen Resonanzboden recht erst da gesnnden hatte, sah er imganzen doch ganz berlinerisch aus, besonders auch nach der Art,wie er sich frisierte und kleidete. Sein Auftreten war vornehmund verbindlich.
Einen hübschen Gegensatz zu ihm bildete eine Figur ausdem imperialistischen Lager, der Senator van Heeckeren. Er hießvon Hanse aus d'Anthss, war aus Kolmar gebürtig und mütter-licherseits mit der fürstlich Hatzfeldfchen Familie verwandt.Er war als ganz junger Maun uach Rußland gekommen undHauptmann in der Garde-Kavallerie geworden. Der holländischeGesandte in Petersburg fand ein besonderes Wohlgefallen an ihmund adoptierte ihn, und er nannte sich von da an nach demselbenvan Heeckeren. Er heiratete die Schwester des Dichters Puschkin ,ließ sich aber nach knrzer Zeit in ein Verhältnis mit Puschkins Frau ein, wie wenigstens der Dichter annahm. In dem darausentstandenen Duell erschoß er Puschkin. Darauf mußte er.Rußland verlassen, wo man sehr gegen ihn aufgebracht war. Erlebte nunmehr eine Zeitlang im Elsaß. Als Napoleon III. ansRuder kam, ging Heeckeren nach Paris und schloß sich jenem an. Ermachte eine Reise an verschiedene Höfe, um die Möglichkeit einerehelichen Verbindung für seinen kaiserlichen Protektor zu sondieren.Dann lebte er als Senator in Paris . Das ziemlich ansehnlicheVermögen, das er von seinem Adoptivvater erhielt, war, als ichihn kennen lernte, nicht mehr sehr wohl erhalten. Er fand Ge-schmack an den Finanzprojekten, die damals in Form von Eisen-bahn- und anderen Konzessionen zur Belohnung der kaiserlichenAnhänger verwertet wurden, und hatte sich namentlich an derGründung einer Assekuranzgesellschaft beteiligt, die nicht recht inZug kommen wollte. Diese und ähnliche Angelegenheiten führtenihn oft in unser Bureau, und er war mir wegen seiner angenehmenKonversation immer ein willkommener Gast.