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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
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Siebentes Kapitel.

zu machen und fanden bekanntlich viele Gläubige, namentlich unterdeu großen Herren. In den fünfziger Jahren, bei denen ich hierverweile, schürften sie vorzugsweise in Bergwerken jeder Art und iuEisenbahngründungen nach dem edlen Metall. Zu deu Eisenbahnenbedürfte es einer staatlichen Konzession. Ich habe schon in meinerStudie über Napoleon III. kurz angedeutet, wie dieser Umstandden Günstlingen des Hofes dazu diente, sich durch Übertragungeiner ihnen gewährten Konzession für eine bestimmte Linie einesehrlichen Maklers Lohn zu verschaffen. Es kouute uicht ausbleiben,daß man auch manchen Sollizitanten nur mit Scheinkonzessionenabfand, nm sich ihn vom Hals zn schaffen. Etliche von diesenerfolglosen Glücksjägern sind durch meine Hand gegangen;da war einer, welcher der zweite Beamte unter dem Verwalterdes kaiserlichen Schatzes war. Man behauptete, seine Stellungverdanke er seiner Fran, und diese sei die Tochter des Schließersdes Forts von Ham gewesen, in welchem Louis Napoleon gefangensaß. Das Übrige läßt sich erraten. Ein anderer Konzessionärwar ein gewisser Napoleon Sintz. Trotz seines Vornamens hatteer keine eigenen Verbindungen mit seinem Namensvetter; aberseine Frau stand mit einer hohen, einem deutscheu Fürstenhausnahverwandten Gönnerin in einem intimen Zusammenhang, überden die Hofchronik auch verfängliches zu wissen behauptete. HerrSuch, eiu Vollblutfranzose, trotz seines Familiennamens, verlangtenun von seiner Frau, daß sie von ihrer Beschützerin etwas Greif-bares verlange, und in der That bekam sie eine Eisenbahnkonzession.Die Sache präsentierte sich nicht schlecht, nnd der Ehemann, miteiner ungeheuren, von Karten und Akten strotzenden Mappe, kamalle paar Tage in seinem Coups angefahren, um seine Eisenbahnbei uns au den Manu zu bringen. Aber trotz aller hohen Gunst,deren er sich rühmen konnte, klappte immer etwas nicht, und ichmußte ihu unverrichteter Sache abweisen, bis er das Erforderlichebeigebracht hätte. Anf einmal blieb er weg. Monatelang hörteich nichts mehr. Da sah ich ihn einmal aus der Straße iu ab-geschabtem Habit, zwar immer uoch mit der Mappe unter demArm, aber sehr zu Fuße uud in offenbar niedergeschlagenem Ge-mütszustand. Ich giug nun der Sache wieder nach, und waserfuhr ich? Napoleon der Kleine hatte seiner Frau immer mehr