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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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364
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364 Siebentes Kapitel.

durch diese mit ihrem Material unter gewissen Verteilungen derEinnahmen.

Nachdem zwischen Preußen nnd Frankreich der LuxemburgischeKonflikt aufgekommen war, knüpfte sich an diesen Betrieb einpolitisches Interesse für beide Länder. Der Schwiegersohn desBrüsseler Bischosfsheim, der später als Unternehmer der türkischenBahnen so reich und berühmt gewordene Baron Moritz von Hirsch ,welcher damals noch mit seinem Schwiegervater in enger Geschäfts-verbindung stand, war auch bei dem Luxemburger Unternehmeninteressiert. Sein Scharfblick und feine erfinderische Kombinations-gabe lieferten bei dieser Gelegenheit ihre erste Meisterprobe.

Er ging nach Berlin und eröffnete dem Ministerium Bismarck,auf welche Art, durch einen neuen Betriebsvertrag mit der Luxem-burger Bahn, diese wichtige Handhabe für Einfluß auf das Landund für militärische Bewegungen zu erwerben sei, und manzeigte sich willig, auf seiue Vorschläge einzugehen. So weit ge-kommen, wandte er sich nun nach Paris an die kaiserliche Re-gierung und demoustrierte ihr, was ihr bevorstehe, wenn sein Plangelänge; bot ihr aber an, ihn zu ihren Gnnsten umzugestalten,wenn sie der Luxemburger Bahn ihrerseits die gewünschten Vor-teile sichern wollte. Man ließ sich das nicht zweimal sagen, unddie französische Ostbahn wurde nun bewogen, der LuxemburgerBahn Einnahmen zu garantieren, für welche wieder die französischeRegierung die Deckung zu liefern übernahm.

Ich erfuhr den intimen Hergang der Sache erst viel später.

Von der Vorgeschichte, die mit Preußen spielte, wußten mirdie nächsten Eingeweihten, als der neue Vertrag mit der fran-zösischen Ostbahn bekannt wurde. Der Gang der Weltgeschichtemachte dann den Witz, daß durch die Einverleibung von Elsaß-Lothringen die mit Luxemburg zusammenhängende Strecke ansDeutsche Reich fiel und dieses infolgedeffen auch die vou Frank-reich stipulierte Garantie mit dem Betrieb der Bahn übernahm.

Übrigens hatte sich bei dieser Gelegenheit wieder einmal ge-zeigt, wie die mittelbaren Einwirkungen, auf welche die diplo-matische Schlauheit großes Gewicht zu legen pflegt, wenig be-deuten.