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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Siebentes Kapitel.

Frau, Rudolph Gottschall und viele andere; eine Anzahl wurdeschon genannt.

Langsam aber gewann der französische Umgang das Über-gewicht, das ihm naturgemäß mit der Zeit zuwachsen mnßte. Eswar dies nicht nnr ein Ergebnis des allmählichen Eingewohntseinsan Ort und Stelle, sondern auch des natürlichen Rückgangs imBestand des deutschen Freundeskreises.

Hartmann hatte sich in Genf verheiratet uud niedergelassen;daß Oppenheim nach Berlin zurückgewandert war, berichtete ich;wie ihm, hatten anderen die Pforten der Heimat unter der nenenÄra Preußens sich wieder geöffnet. So kam eins zum audern,um meiuen stehenden, geselligen Verkehr umzugestalten.

Die Anknüpfungspunkte führten in die Zeit zurück, da uochdas Flüchtlingsleben dem Umgang sein Gepräge aufdrückte unduns mit politisch gleichgesinnten Franzosen zusammenführte. Daswar um so natürlicher, als man wohl mit Recht sagen kann, daßzu jener Zeit der größere Teil der höher gebildeten Gesellschaftmehr oder weniger in oppositioneller Gesinnung dem napoleonischenRegiment gegenüberstand.

Presse und Litteratur gehörten meistens zur Fronde. Amnächsten stand uns darin die Gruppe des und der ksvus

Zöi'walliizuö, an der ich später, als sie den Namen Rsvus rnoäsrnsannahm, mitarbeitete.

Die elsässischen Elemente dieser Gruppe bildeten damals denStamm und fühlten sich den radikalen Deutschen wenigstens ebensoverwandt, wie ihren politischen Landsleuten, den Franzosen. Anihrer Spitze stand Angust Nefftzer, der vollendete Typus des durchden französischen Zuschnitt einigermaßen umgemodelten, aber imGrund seines Wesens unversehrt gebliebenen Alemannen. Hoch-stämmig, breitschultrig, mit einem starken Kopf auf kurzem Hals,kündigte uur der breitkrämpige, schief aufgesetzte Cylinderhut deuPariser Radikalen an, während der Rest entschieden dentsch aus-sah. Eine ausgesprochene Neigung zum Biergenuß, der täglicheine Anzahl Gleichgesinnter in einer Branerei des FanbonrgMontmartre versammelte, bewahrte vor Entartung. Nefftzer warans Kolmar gebürtig und hatte ursprünglich protestantische Theologiein Straßburg studiert. Etwas Burschikoses mischte sich ganz