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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Paris .

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natürlich in sein Wesen, wie es seinem Ursprung und seiner Ent-wicklung ganz entsprach, und dies umsomehr, als er ans einenfrischen Humor veranlagt war. Schon bei seinen ersten Versuchenin der Tagespresse gab er eine Probe davon, die ihm allerdingsteuer zu stehen kam.

Er war damals, im Jahre 1851, Mitarbeiter an der vonEmile von Girardin herausgegebenen Presse. Es war die ersteZeit der napoleonischen Präsidentschaft, noch vor dem Staatsstreich.Man erwartete jeden Tag eine Präsidialbotschast. Nefstzer kamauf den Einfall, eine solche aus einer Anzahl Stellen zusammen-zusetzen, die er aus des Präsidenten Schriften gewählt hatte, alleso demokratisch wie möglich. Die, einen Augenblick für echt ge-haltene, Botschaft verbreitete einen Schrecken ans der Börse, dereinen starken Kursfall nach sich zog. Der Spaß trng seinemErfinder eine Verurteilung zu einem Jahr Gefängnis ein.

Anfangs der sechziger Jahre gründete Nefstzer die noch heutein Blüte stehende Zeitung1s Einen Teil des Betriebs-

kapitals lieferte der aus Frankfurt stammende Bankier EmilErlanger . Mitarbeiter waren die Elsässer Louis Ratisbonne undCharles Dollfuß, später kam noch der ebenfalls aus der prote-stantischen Theologie hervorgegangene Edmoud Scherer hinzu, so-wie der auch in deutschem Wissen bewanderte Challemel-Laeonr, dernuter Gambetta Gesandter der Republik in London wnrde und alsPräsident des Senats starb. Die meisten von ihnen waren auchMitarbeiter an der Rsvus ^örln^vi^lls. Es war die Zeit, dannter Renans nnd Taines Führung der Sinn für deutsche Philo-sophie, Bibelforschung und Philologie in Aufnahme kam. Diepreußischen Triumphe des Jahres 1866 fanden aber auch schoniu diesen Kreisen keine Sympathie.

Ich erinnere mich, daß ich am Tage, da die Nachricht derSchlacht von Sadowa eintraf, mit französischen Freunden einenAnsslng in die Umgegend von Paris machte. Der Zufall hatteauch Scherer in unser Coups geführt, und da ich meine großeFreude über das Ereignis nicht verbergen konnte, fiel mir auf,welch ein saures Gesicht Scherer dazu machte. Die Beliebtheitder Deutschen wurzelte doch zum Teil auch darin, daß sie so un-schädliche Philosophen und Philologen waren.