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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
429
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Paris .

BerlinerKladderadatsch" jahraus jahrein dem Kaiser mit dergroßen Nase und seinem Sohn Loulou zuteil werden ließ, wobeiich nebenher bemerken will, daß ich den Namen Loulou nie indieser Anwendung in Frankreich gehört habe. Diese Bezeichnungfür das arme Prinzchen ist Berliner Erfindung.

Was einem ausländischen Witzblatt hingehen mochte, war fürdie ohnmächtigen Gegner des verspotteten Imperators eigentlicheine Inkonsequenz, und nach allem, was man vor und nachhererlebt hat, kann man wohl auf ihn das Heinesche Wort anwenden:Er regierte, wie die anderen". Ich muß aber zur Steuer derWahrheit bekennen, daß ich damals, als ich in diesem Kreiselebte, von gleicher Stimmung mit beherrscht war, und daß meinstark modifiziertes Urteil sich erst später herausbildete, als ich esaus meinem von außen unbeeinflußten Nachdenken gewann.

Jenem sarkastischen Verhalten zur unangenehmen Gegenwartkonnte man sich in diesen Kreisen um so schwerer entziehen, alses nicht nur, wie oben gesagt, dem Wunsche nach unver-mindertem Selbstgefühl entsprang, sondern dem Bedürfnis nachheiterer Lebeusweise, welche deu Grundzug des Nationalcharaktersbildet. In keinem Lande der Welt find die Regierungen vonjeher so satirisch traktiert worden, wie hier. Die Spottgedichteauf den Hof bilden ein stehendes Kapitel der französischen Litte-ratur gerade in den Jahrhunderten, wo die Monarchie am festestenim Gefühl der Nation wurzelte.

Zum engsten Kreise des Ulbachschen Hauses gehörten damalszwei entschiedene Republikaner sehr verschiedenen Kalibers, mitdenen ich auch in enge freundschaftliche Verbindung kam. Ichnannte ihre Namen schon. Der ältere war Emauuel Arago, derjüngere Pierre Lansrey.

Arago, der älteste Sohn des großeu Naturforschers Fran?oisArago, verdankte dieser Abstammung hauptsächlich, daß ihm dieBahn zu hervorragenden Posten geöffnet war, so oft das Zeichender Republik dazu führen konnte.

Der Vater Arago war eiu Mauu vou ausgesprochen liberalerGesinnung. Die großen Namen geben in Frankreich ihrenTrägern eine Art dynastischer Stellung. Der Kultus des Ruhmsist so mächtig, daß die Nation ihn in allen Sprößlingen eines