4Zg Siebentes Kapitel.
blieb er in Paris als Journalist und gründete eine lithographiertefranzösische Korrespondenz, die sehr bedeutende Verbreitung uudgroßen Einfluß gewann. Ich habe schon oben erwähnt, wie viele,später bekannt oder berühmt gewordene Deutsche durch dies Korre-spondenzbureau gegangen sind. Er hatte dies journalistischeInstitut so vervollkommnet, daß er immer eine stattliche Anzahlangehender Schriftsteller bei sich beschäftigte. Eines Tags, daich ihn zur Bureaustunde aufsuchen wollte, erhielt ich von seinemLoneisi-As auf die Frage, ob der Herr zu Hause sei, die be-zeichnende Antwort: Nousisur n')' est xas, IN!U8 8SSouvi'isi'» Svllt.
Er war von der Universitätszeit her, da er in Wien Juris-prudenz studierte, mit seinen österreichischen Landslenten MoritzHartmann und Max Schlesinger verbrüdert. Schlesinger war einäußerst geschickter Journalist, der durch persönliche Verbindungmit der großen politischen Welt in London , wo er der Begründerder erwähnten englischen Zeitnugs-Korresponenz geworden war,allmählich dazu gelangte, die besten diplomatischen Informationenzn erhalten und sich eine sehr geachtete Position zn verschaffen. Erverstand es, sein Haus zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt derhervorragenden Leute, besonders anch der Künstler zu macheu, iudem auch die nach Euglaud kommenden Deutschen gastliche Auf-nahme fanden und sich sehr wohl fühlten. Eine besondere Zierdeder Empfangstage war Joseph Joachim , der damals, wie nochheute, alljährlich während der Saison in London als allgemeinverehrter Künstler erschien.
Schlesinger hatte einen ihn noch überragenden Mitarbeiteran seinem gleichfalls in Ungarn geborenen Freunde, dem fchoufrüher geuauuteu Jakob Kaufmauu, dem ehemaligen KollegenJgnaz Knrandas und Gustav Freytags und Julian Schmidts,bei deu anfänglich in Brüssel gegründeten und später nach Leipzig übergesiedelten, nach zahllosen Wandlungen noch heute bestehenden„Grenzboten". Kaufmann war eine höchst eigentümliche nndebenso anziehende Persönlichkeit. Er gehörte zu der seltenen Kate-gorie der Schriftsteller, die rein zu ihrem eigenen Vergnügen,ganz ohne Rücksicht auf den Gewinn von Lohn oder Beifall oderRuhm arbeiten. So stellte er seinen uugemeiu feiuen Geist ganz