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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
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Paris.

den ausgezeichnetsten Mann des Köuigsreichs proklamierte, seitdemer einmal das Glück gehabt hatte, in einem Volksgedränge dichtneben ihm zu stehen.

Bald nach dem Krieg von 1870 fing er an zu kränkeln; erkam zuletzt nach Wiesbaden , um dem englischen Klima zu ent-gehen. Ich sah ihn da manchmal und freute mich an seinem den Leiden uud ihrer bösen Vorbedeutung widerstehendenphilosophisch heiteren Wesen. Er starb dort und liegt in Wies-baden begraben, nachbarlich zu meiner etliche Jahre daraus ebendaverstorbenen Frau, die ihm gleiche Sympathie wie ich gewidmethatte. Es war eine wehmütige Überraschung für mich, dies zuentdecken.

Szarvady war zur Beerdigung von Paris nach Wiesbaden geeilt. Während wir vor dem offenen Grabe standen, an dem derPrediger sprach, deutete Szarvady mit einem vielsagenden Blickzu dem nebenstehenden Leichenstein, auf dem ich las:Hierruht Jakob Kaufmann." Gustav Freytag hat dem Wackreu einenNachrnf gewidmet, der dem Verfasser ebenso zur Ehre gereichtwie dem Beklagten, ein Muster von Darstellung und ein Mnsterfeiner Menschlichkeit. Wenn ich nicht irre, ist das Stück inFreytags gesammelte Schriften aufgenommen.

Schlesinger starb erst in den achtziger Jahren. Er war imLanf der Zeit besonders zu derKölnischen Zeitung " in ein sehrintimes Verhältnis getreten. Im Jahre 1875, als ich zum ersten-male den Sommer in Jnterlaken zubrachte, besuchte er mich daauf einer Reise nach Egypten, die er im Auftrage der Zeitungunternahm. Der ihm besonders wohlwollende Haupteigentümerdes Blattes hatte ihm für seine Berichte ein sehr stattlichesHonorar in einer Pauschalsumme ausgeworfen. Während Schle-singer bei mir war, empfing er gerade einen Brief von Dumout,indem er ihm empfahl, möglichst selten zu berichten. SolcheGalanterie von einem Zeituugsbesitzer geübt zu sehen, that meinemJonrnalistenhcrzen wohl, wenn schon das Phänomen sich teil-weise damit erklärt, daß dieKölnische Zeitung " so gewaltigeEinnahmen aus ihrem Inseratenteil hat, um sie die Ausdeh-nung des redigierten Teils fast wie eine Belastung empfinden zulassen.