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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
442
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442 Siebentes Kapitel.

Szarvadys Haus war in den sechziger Jahren ein sehr gast-liches nnd vielbesuchtes. Ein Teil der französischen Schriftsteller-welt, und besonders viele Künstler, durch die großen musikalischenLeistungen seiuer Frau augezogen, waren Stammgäste in seinemSalon. Seine reichen journalistischen Verbindungen hatten ihnanch mit der hohen Finanz in Verbindung gebracht, und seineVielseitigkeit befähigte ihn, durch Beteiligung an den damalsblühenden Emissionsgeschäften seine Einnahmen bedeutend zu ver-mehren.

Das Hans Pleyel, neben Erard die erste KlavierfabrikFrankreichs und eine der ersten der Welt, war seiner Frau, dienur auf Pleyelscheu Flügelu spielte, besonders gewogen und be-teiligte ihn mit Aktien, die eine hohe Dividende abwarfen. Mitdem Generalsekretär des damals vortrefflich geleiteten Comptoircl'iZseoivxts, Edmond Adam , stand er in sehr enger Beziehung nndkonnte der Anstalt Dienste leisten, die ihm durch Beteiligung angroßen Unternehmungen vergolten wurden. Er hatte schon vorhereine interessante Verbindung augeknüpft mit dem großen Ferdinandde Lesseps , als dieser mit der Gründung des Suezkanals vorging.Zur Zeit, da das gewaltige Vorhaben in Gang gesetzt wnrde,übernahm Szarvady im Austrag von Lesseps, der das Material dazulieferte, eine publizistische Arbeit zur Rechtfertigung desselben nndinsbesondere der Rentabilität. Man weiß, daß merkwürdigerweisedie englische Regierung der Sache feindselig war und durch ihrendirekten und indirekten Widerstand drohte, sie zum Scheitern zubringen, ein merkwürdiger Beleg dafür, daß auch eine für soschlau geltende Politik sich gröblich irren kann. Der Grnnd dieserFeindseligkeit lag wahrscheinlich in der französischen Nationalitätdes Unternehmers, dank derer England fürchtete, den Kanal undEgypteu in französische Hände gelangen zu seheu wieder ein-mal ein Beweis dafür, wie die Dinge so oft anders kommen, alsder Klügste berechnet. So hat ja überhaupt die gauze Entwicklungdes Unternehmens wirtschaftlich und finanziell die größten Über-raschungen beschert.

Eiue Zeitlang, nachdem die Arbeiten begonnen hatten, schienes, als käme alles ins Stocken und damit in Verfall, die Hilfs-mittel versagten und schließlich ist es eine der glänzendsten