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Willensthätigkeit an. Eigentum, Recht, Staat und ebensodas Geld führte man auf einen gemeinsamen Gründerwillen desMenschengeschlechtes oder eines bestimmten Volkes zurück.
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Zweckmässigkeitsgründe dachte man sich bei solchen Überein-künften als das Bestimmende. Um den bellum omnium contraomnes zu vermeiden, schloss die Menschheit den Gesellschafts-vertrag. Um den Tauschverkehr zu erleichtern, schuf sie einallgemeines Tauschmittel. Wegen ihrer besonderen Vorzüge be-stimmte sie schliesslich die edeln Metalle zur Verrichtung vonGehlfunktionen.
Diese Anschauungen sind heute längst überwunden, wenigstensin der Wissenschaft. Von einer „Ubereinkunft" sprichtniemand mehr, weder von einer Übereinkunft, die das Geld ge-schaffen, noch von einer Übereinkunft, die dem Gelde seinenWert verliehen; auch die letztere wurde nämlich gelegentlichsupponiert, sie lebt sogar heute noch in dem schönen Satze fort,den man hin und wieder einmal hört, „Das Geld ist eine An-weisung von jedermann auf jedermann". — Aber in wissen-schaftlichen Kreisen sind Theorien dieser Art heute völlig ab-gethan. Hier ist die unbewusste Entwickelung ganz undgar anerkannt.
Nur in der Ansicht über die Gründe, welche diese un-bewusste Entwickelung bestimmten, weichen die beiden Haupt-gruppen der wissenschaftlichen Nationalökonomie, die historischeund die deduktive Schule von einander ab; auch ausserdemin wenigen unbedeutenden Einzelheiten. Ich beabsichtige nicht,über die Entwicklungsgeschichte des Geldes überhaupt zuschreiben, sondern nur über die Entwickelung des metallischenGeldes zu Münzsystemen; deshalb gehe ich auf die ersten An-fänge des Geldes schlechthin hier nicht ein, sondern begnügemich, auf eine Abhandlung von Lötz ] ) über diesen Gegenstandund auf die dort angezogene Litteratnr hinzuweisen. Es sei hiernur das erste grosse Resultat der Entwickelung konstatiert: ImLaufe der Zeit übernahmen die Edelmetalle immer mehr die Rolledes allgemeinen Tauschmittels, und schliesslich wurden sie dasalleinige Geld.
') Walter Lötz, „Die Lehre vom Ursprünge des Goldes", in den Jahr-büchern für Nationalökonomie und Statistik, dritte Folge, Bd. YII, lieft 3.