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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
Entstehung
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Einfachheit des ungemünzten Metallgeldes wieder erreicht: stattdes Goldes ein System von Goldmünzen, statt des Silbersein System von Silbermünzen.

Nun stellte es sich aber in der Regel heraus, dass, wenn dieStaatsgewalt kräftig genug war, um diese Erfordernisse einerParallelwährung zu erzwingen, ihr auch die Kraft nicht fehlte,die noch mangelnden Vorbedingungen für eine Doppelwährungoder gar für ein monometallisches System zu erzwingen.So gelangte beispielsweise England nach Uberwindung allerMünzwirren und nach Konstituierung eines geschlossenes Systemsin der Zeit von 1695 bis 1717 nicht erst zur Parallelwährung;es erzwang nicht nur die gegenseitige Vertretbarkeit aller Silber-münzen nach ihrem nominellen Wert, sondern auch die gegen-seitige Vertretbarkeit seiner Silber- und Goldmünzen auf Grunddes festen Verhältnisses: 1 Guinee = 21 Schillinge. England ge-langte also mit Überspringen der Parallelwährung direktzur gesetzlichen Doppel-, oder besser gesagt: Alternativ-währung, welche sich im Verlauf der Dinge zur thatsäch-lichen Goldwährung ausbildete, bis die letztere imJahrelSlö diegesetzliche Sanktion erhielt.

Also auch innerhalb der Entwickelung der Münzsysteineselbst kommt der Parallelwährung nicht unbedingt die Prio-rität zu.

Mit der eben besprochenen Erzwingung der gegenseitigenVertretbarkeit der gleichmetallischen Münzsorten war jedoch erstder eine Vorzug des ungemünzten Metallgeldes zurückgewonnen:die Einfachheit und Einheitlicheit; nicht aber die Wert-beständigkeit, Dafür ist wieder England ein deutlicher Beweis,Als England sclion lange ein einheitliches Münzsystem besass,und zwar die thatsächliche Goldwährung, war die AVertbeständig-keit seines Geldes nicht nur beeinflusst von der Wertbeständigkeitdes Metalles Gold, sondern auch von dem thatsächlichen Zustandseiner Goldmünzen. In der Zeit von 1750 etwa bis 1773 unter-lagen die englischen Goldmünzen einer sehr starken Abnutzung.Dass sich ihr Wert nach ihrem thatsächlichen Goldgehalt richtete,nicht nach ihrem gesetzlichen, geht daraus hervor, dass der Durch-schnittspreis der Unze Gold auf dem Londoner Markt von 1757bis 1773 3 £ 19 sh.. 2% d. war; da der Münzpreis der UnzeGold nur 3 £ 17 sh. 10'/' 2 d. betrug, stand der Marktpreis 1 sh.