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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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überhaupt keinen Einiluss, während die vermittelnde Theorieden Valutascbwankungen einen allmählich wirkenden Einflusszuschreibt. Beiden Theorien liegt jedoch die Annahme zu Grunde,dass die Produktionskosten sowohl der Goldwährungsländer alsder Silber- und Papierwährungsländer aus ihrem nationalenGel de bestehen; denn nur unter dieser Voraussetzung kanndie Verschiebung im gegenseitigen Werte der Valuten eine Ver-schiebung der auf eine dieser beiden Valuten reduziertenProduktions-kosten zur Folge haben.

Wenn der Bauer eines Landes mit schwankender Valutaseine Knechte im Landesgeld bezahlt, so kommt er, solange sichder Lohn, den er zahlt, nicht entsprechend ändert, seinenKonkurrenten in Goldwährungsländern gegenüber in Vorteil, wennder Wert seiner Valuta, am Goldgeld gemessen, sinkt. DerBauer im Goldwährungsland muss den gleichen Lohn in Goldzahlen wie bisher, der Bauer im Silberwährungsland zahlt nurden gleichen Lohn in dem inzwischen gesunkenen Silber, also inGold umgerechnet weniger als bisher; dadurch bekommt er seinemKonkurrenten in Europa gegenüber einen Vorsprung, der nachder einen Theorie dauernder, nach der andern vorübergehenderNatur ist.

Wie aber, wenn die Produktionskosten überhaupt nicht, odernur zu einem Teil aus dem nationalen Geld bestehen? wenn z. B.der Bauer seine Arbeiter nicht in Geld, sondern ganz oder teil-weise in Naturalien bezahlt?

Soweit die Produktionskosten der Exportartikel nicht auseinheimischem Geld bestehen, sondern aus dem Gelde des Welt-marktes oder aus Naturalien, ist offenbar eine Valuta-schwankung für die Produktionskosten ohne Einfluss.

Zwei Beispiele, die an sich wichtig und interessant genugsind, mögen das erläutern; eines aus dem Gebiet der Landwirt-schaft, das andere aus dem Gebiet der Industrie.

Als erstes Beispiel diene das argentinische Getreide,dessen massenhafter Export, der im Jahre 1894 seinen Höhe-punkt erreichte, nach einer viel verbreiteten Ansicht seinen Grundin der starken Entwertung der argentinischen Valuta haben soll.

Im Grundstückverkehr wird in Argentinien allgemein nachGold gerechnet. Grosse Kolonisationsgesellschaften haben dengrössten Teil des anbaufähigen Landes, namentlich die Flächen