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an dem Jubiläum des grossen Friedenswerkes, das in dem Münz-gesetz vom 9. Juli 1873 zum Abschluss kam, achtlos vorübergehen; und leider nicht nur die grosse Menge, sondern auch einTeil derjenigen, welche man gemeinhin nicht unter der „grossenMenge" zu begreifen pflegt. Selbst die deutsche Reichsregierung,zu deren ersten und verdienstlichsten Thaten die Neuordnungdes deutschen Münzwesens gehörte, scheint wenig Lust zu haben,sich ihres eigenen grossen Werkes zu freuen. An der Stelle derthatkräftigen Schaffensfreude von ehemals sieht man heute eineleisetretende Vorsicht, und manchmal möchte es fast scheinen,als wolle die heutige Reichsregierung die bimetallistischen Freundeder Sammlungspolitik für die grossen Vordienste, welche sichdie Reichsregierung von dazumal um die Ordnung des deutschonGeldwesens erworben hat, schüchtern um Verzeihung bitten.
In aller Stille und förmlich inkognito feiert also das deutscheMünzgesetz sein silbernes Jubiläum, aber — und das muss alleFreunde unserer Geldverfassung mit der grössten Genugthuungerfüllen — zu einer Zeit, in welcher derjenige seiner Grund-gedanken, welcher späterhin am meisten angefochten worden ist,fast in der ganzen Welt triumphiert: die Goldwährung,welche das Münzgesetz vom 9. Juli 1873 in Deutschland einführte,als noch in keinem grösseren Staat des europäischen Kontinentsdie Goldwährung bestand, ist fast in der ganzen Welt zurGeltung gelangt, und so hat die weltgeschichtliche Entwicklunginnerhalb der kurzen Spanne eines Vierteljahrhunderts Deutschlands Übergang zur Goldwährung glänzend gerechtfertigt.
Darum dürfen wir uns heute mit Stolz und mit Dankbarkeitder Männer erinnern, welche den Zug der Zeit erkennend derdeutschen Münzgesetzgebung den Weg gewiesen haben und welchetrotz aller Lockungen und Stürme das Schilf nicht von demKurs, den sie als den richtigen erkannt, haben abweichen lassen.
Zwar ist, wenn man die geschichtliche und namentlich diewirtschaftsgeschichtliche Entwicklung innerhall) grosser Perioden
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überblickt, das Schwergewicht der Vorhältnisse treibend undentscheidend; der Einzelne, möge er eine noch so grosse Gewaltüber seine Zeit besitzen, vermag die grossen Züge kaum zustören, wohl aber vermag er fördernd oder hemmend einzugreifenund so auf die Geschicke von Generationen einen entscheidendenEinlluss auszuüben. Wenn Deutschland nach der Beendigung