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gattungen. Diese Ziffern sollen das „allgemeine Preisniveau" dar-stellen oder ihm wenigstens nahekommen. Aber alle diesePreistabellen, die des englischen Statistikers Sauerbeck, die desLondoner „Economist ", die Soetbeers und ihre Fortsetzungen, be-ruhen ausschliesslich auf den Grosshandelspreisen gewisser Stapel-artikel, die in der Hauptsache Rohstoffe und Halbfabrikate sind;dagegen sind die den endgiltigen Konsumenten thatsächlich be-rührenden Preise die statistisch allerdings viel schwerer zuerfassenden Detailpreise der gebrauchsfertigen Produkte, welchedurch die gesamte soziale, wirtschaftliche und technische Ent-wickelung unseres Jahrhunderts sehr viel weniger, mitunter sogarin anderer Richtung beeinflusst worden sind, als die Grosshandels-preise der Massenartikel.
Man darf deshalb die Indexzahlen nicht als den Ausdruckdes allgemeinen Preisniveaus ansehen, sondern nur als den Aus-druck des Preisniveaus der wichtigsten Rohstoffe und Halbfabrikate.Noch viel weniger aber darf man die Veränderungen der Index-ziffern ohne weiteres als den Ausdruck der Veränderungen desGeldwertes auffassen. Das würde, selbst wenn es sich in derThat um eine richtige Zusammenfassung aller Preise handelte,zur Voraussetzung haben, dass sich in der Preisbewegung derverschiedensten "Waren alle auf die Preisbildung einwirkendenFaktoren bis auf die Veränderungen des Goldwertes vollkommenkompensierten. Nach dem sogenannten Gesetz der grossen Zahldarf man freilich annehmen, dass bei der Zusammenfassung einerMenge verschiedener Warenpreise die zufälligen Besonderheitender Preisbildung der einzelnen Artikel zurücktreten und dasssomit die Schwankungen der Indexzahlen auf gewisse Ursachenallgemeiner Natur schliessen lassen; aber dass diese Ursachenallgemeiner Natur ausschliesslich in Änderungen des Geldwertesbestehen könnten, das ist eine gröbliche petitio principii. Esmuss vielmehr stets einer besonderen Untersuchung vorbehaltenbleiben, den Anteil des Geldes an den Veränderungen der Index-ziffern festzustellen.
Auch wenn wir das strenge im Auge behalten, könnten wirleicht zu verfehlten Schlüssen kommen, wenn wir für dieBeurteilung der Geldwertschwankungen im letzten Jahrzehnt diePreisschwankungen dieses Zeitraumes isoliert in Betracht ziehenwollten. Wo sich alles in stetigem Flusse befindet, können die