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Die 'wissenschaftliche' Leistung des Herrn Ludwig Bamberger : ein Nachspiel zu meinen 'Arbeitergilden der Gegenwart' / von Lujo Brentano
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kungen. Aus der Zahl der ökonomisch ausgezeichnetsten Arbeiterentstand nacli Beseitigung der alten industriellen Ordnung die grosseMasse der englischen Arbeitgeber. Der Mittelschlag, d. h. die grosseMasse der Arbeiter dagegen wurde nach jener Beseitigung zunächstin seiner Lage verschlechtert. Herr B. vergleiche hierfür die eng-lischen Blaubücher über die Lage der Arbeiter in den einzelnenGewerben, auf welche hin die diese Gewerbe regelnden Fabrik- undWerkstättengesetze erlassen wurden, sowie das erste Kapitel meinerArbeitergilden Band I.

Diese Verschlechterung hatte, wie eben angedeutet, ein Ein-greifen der Gesetzgebung hauptsächlich zu Gunsten von Weibernund Kindern zur Folge, und Bedrückung, jener stärkste Stachelsocialer Organisation, war nach Eintritt jener Veränderung die Ur-sache der Entstehung von Gewerkvereinen unter den erwachsenenmännlichen Arbeitern. Und diese staats- und selbsthiilflichen Neu-ordnungen der Industrie brachten den Arbeiter nicht blos in einebessere Lage als früher, sondern erregten auch noch in weit höheremGrade den Wunsch nach weiterer Verbesserung. Und schon ananderer Stelle (Arbeitergilden II. 328) habe ich hervorgehoben:Wiedas Verlangen nach materiellen Verbesserungen der Lage stets mitdenen begann und beginnen wird, welche derselben am wenigsten,nicht mit denen, welche derselben am meisten bedurften, so wirdauch die Lösung der heutigen socialen Frage von den besser-gestellten Arbeitern, den gelernten, betrieben. Dieses Verlangennach immer grösserer Verbesserung der Lage ist aber nicht etwavolkswirtschaftlich verwerflich; es ist vielmehr das, wovon die alteSmithsche Schule alles Heil erwartet hat. Man lese nur die Aus-führungen der älteren Oeconomisten, dass es den Arbeitern nurmittelst Steigerung ihrer Ansprüche möglich sein würde, ihren Stand-ard of life hochzuhalten, ihre Rechtfertigung des Luxus der unterenKlassen und ihre Wünsche nach Zunahme desselben. (Vgl. z. B.MCulloch, Pol. Ec. 2. ed. London 1830 pp. 183, 395, 571 ff., auchBamberger S. 26.)

Betrachte ich nun, wie aus diesen Erörterungen hervorgeht, diesociale Frage keineswegs als die Frage nach Beseitigung alles wirt-schaftlichen Elends, wie Herr B. (S. 30, 31) fälschlich behauptet undbin ich weit entfernt, wie Herr B. im Widerspruch mit der Wahr-heit (S. 22) insinuirt, zu leugnen, dass die Lage der englischen Ar-beiter in den letzten Decennien nie dagewesene Fortschritte gemacht